Entgegen früheren Prognosen erwartet die Internationale Energieagentur (IEA) nun, dass die weltweite Nachfrage nach Öl und Erdgas bis zum Jahr 2050 weiter wachsen könnte. Dies stellt eine Kehrtwende gegenüber den bisherigen Annahmen dar, die von einem baldigen „Peak Oil“ – also einem Nachfragerückgang – ausgegangen waren.
Die IEA, mit Sitz in Paris, steht seit Jahren unter politischem Druck – insbesondere aus den USA, die der Agentur unterstellen, zu sehr auf Klimaschutz und saubere Energien zu fokussieren. Unter der Präsidentschaft von Donald Trump forderten US-Vertreter eine stärkere Unterstützung für Öl- und Gasförderung. Der neue IEA-Ausblick scheint diesen Forderungen Rechnung zu tragen.
Im sogenannten „Szenario aktueller Politiken“, das auf bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen basiert (nicht auf Klimazielen), rechnet die IEA mit einem Anstieg des globalen Ölverbrauchs auf 113 Millionen Barrel pro Tag bis 2050 – etwa 13 % mehr als im Jahr 2024.
In einem anderen Szenario, das auch politische Vorschläge berücksichtigt, würde die Nachfrage um 2030 ihren Höhepunkt erreichen. Beide Szenarien sind keine Prognosen, sondern Modellrechnungen unter verschiedenen Annahmen.
Die OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder) begrüßte den neuen Kurs der IEA und schrieb:
„Wir hoffen, dass wir den Höhepunkt des Irrglaubens an ein baldiges ‘Peak Oil’ hinter uns gelassen haben.“
Laut dem IEA-Bericht wird die Welt in allen dargestellten Szenarien die 1,5°C-Grenze zur Erderwärmung überschreiten – ein zentrales Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015, dem über 190 Länder zugestimmt hatten. Das Ziel, die Erderwärmung auf maximal 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, gilt als entscheidend, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern.
Ein weiteres zentrales Ergebnis des Berichts: Der Markt für Flüssigerdgas (LNG) wird in den kommenden Jahren stark wachsen. Neue Projekte mit einer jährlichen Kapazität von 300 Milliarden Kubikmetern sollen bis 2030 in Betrieb gehen – ein Anstieg von 50 % gegenüber dem heutigen Niveau.
Grund dafür sei der steigende Energiebedarf durch Rechenzentren und Künstliche Intelligenz. Die weltweiten Investitionen in Rechenzentren könnten laut IEA im Jahr 2025 580 Milliarden US-Dollar erreichen – mehr als derzeit in die Ölversorgung investiert wird.
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