Washington – US-Handelsminister Howard Lutnick sieht sich nach der Veröffentlichung neuer Justizdokumente erneut kritischen Fragen zu seinen Kontakten mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ausgesetzt. Vor einem Senatsausschuss beteuerte Lutnick, er habe „nichts zu verbergen“, doch demokratische Senatoren zweifeln zunehmend an seiner Glaubwürdigkeit.
Auslöser der Debatte sind neu veröffentlichte Unterlagen des US-Justizministeriums im Zusammenhang mit den sogenannten „Epstein Files“. In diesen Dokumenten taucht Lutnicks Name mehrfach auf, unter anderem in E-Mails, die ein gemeinsames Mittagessen auf Epsteins privater Karibikinsel Little Saint James erwähnen. Auf dieser Insel sollen Minderjährige von Epstein sexuell missbraucht worden sein.
Senator Chris Van Hollen aus Maryland erinnerte daran, dass Lutnick dem Kongress zuvor erklärt hatte, den Kontakt zu Epstein bereits 2005 abgebrochen zu haben. Damals habe er sich von seinem ehemaligen Nachbarn in New York distanziert, nachdem Epstein anzügliche Bemerkungen über einen Massagetisch in seinem Haus gemacht habe. Die nun veröffentlichten Dokumente werfen jedoch die Frage auf, ob diese Darstellung vollständig und korrekt war.
Lutnick räumte ein, am 23. Dezember 2012 auf Little Saint James gewesen zu sein. Allerdings betonte er, dass er von seiner Ehefrau, seinen vier Kindern sowie den Nannys begleitet worden sei. Er könne sich nicht mehr genau erinnern, warum sich die Familie auf der Insel aufgehalten habe, habe jedoch keinerlei unangemessenes Verhalten beobachtet. „Ich habe nichts gesehen, was auch nur ansatzweise unangebracht gewesen wäre“, sagte Lutnick vor dem Ausschuss.
Ein weiteres Treffen habe etwa eineinhalb Jahre später stattgefunden, so der Handelsminister. Dieses habe rund eine Stunde gedauert und sei das letzte gewesen. Die wenigen E-Mails, in denen sein Name auftauche, seien im Verhältnis zu den insgesamt Millionen freigegebenen Dokumenten unbedeutend. „Ich hatte keine Beziehung zu ihm. Ich hatte kaum etwas mit dieser Person zu tun“, erklärte Lutnick. Ihm wird bislang kein strafrechtliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein vorgeworfen.
Dennoch sieht Senator Van Hollen Lutnicks Erklärungen kritisch. Die widersprüchlichen Angaben stellten nicht nur seine persönliche Glaubwürdigkeit infrage, sondern auch seine Eignung für das hohe Regierungsamt. „Das wirft ernsthafte Fragen zu Ihrer Vertrauenswürdigkeit gegenüber diesem Ausschuss und dem Kongress auf“, so Van Hollen.
Die derzeit veröffentlichten Akten umfassen rund 3,5 Millionen Dokumente. Weitere 2,5 Millionen Unterlagen werden bislang zurückgehalten, was bei einigen Abgeordneten und mutmaßlichen Opfern die Sorge nährt, dass darin Hinweise auf mögliche Mitwisser oder Helfer Epsteins verborgen sein könnten. Neben Lutnick werden in den Akten auch zahlreiche andere prominente Namen aus Politik und Wirtschaft genannt – ein Umstand, der die öffentliche Debatte weiter anheizt.
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