Jorgen Boassen ist vieles: Ex-Maurer, Boxtrainer, politischer Aktivist – und in den Augen mancher ein Verräter. Denn er ist einer der wenigen Menschen in Grönland, die offen ihre Sympathie für Donald Trump bekunden. So offen, dass er sich selbst schon einmal den Titel gab: „Ich bin der Che Guevara Grönlands.“
Während die meisten Grönländer Trumps frühere Forderung, die USA sollten Grönland kaufen, mit Kopfschütteln oder Wut quittierten, sieht Boassen darin eine Chance. Eine Chance für Unabhängigkeit, wirtschaftliche Entwicklung – und eine Abkehr vom dänischen Einfluss, der Grönland seit Jahrhunderten prägt.
Von der Baustelle zur politischen Bühne
Boassen, 51, stammt aus Qaqortoq, im Süden Grönlands. Aufgewachsen bei einer alleinerziehenden Mutter ohne viel Geld, kämpft er heute für ein anderes Grönland: unabhängig, rohstoffreich und mit engen Verbindungen zu den USA. Seine Begeisterung für Trump begann 2019 – mit dessen Interesse, Grönland zu kaufen.
Trotz Morddrohungen und einem Faustschlag in einer Bar ist Boassen nicht zurückgewichen. Er trägt – wenn auch seltener – weiterhin seine „MAGA“-Kappe, hat Trump bei Wahlkampfeinsätzen unterstützt, war bei dessen Amtseinführung 2025 dabei und bezeichnet sich als Teil der „America First“-Bewegung.
„Trump ist der Einzige, der uns retten kann“
Boassen arbeitet als Grönland-Direktor der US-nahen Organisation American Daybreak, die Trumps außenpolitische Linie in der Arktis vorantreibt. Unterstützt wird er dabei u. a. von Thomas Dans, einem ehemaligen US-Regierungsberater. Zusammen wollten sie im Frühjahr sogar einen Besuch der US-Vizepräsidentengattin Usha Vance beim nationalen Hundeschlittenrennen organisieren – abgesagt nach Protestdrohungen.
Sein Ziel: Grönland soll wirtschaftlich von seinen Rohstoffen profitieren – Öl, Gold und seltene Erden – und militärisch-strategisch enger mit den USA kooperieren. Die USA hätten großes Interesse an der Region, insbesondere wegen neuer Schifffahrtsrouten im Zuge des Klimawandels.
Ein umstrittener Aktivist
Boassen polarisiert. Während er sich selbst als Verfechter der Inuit und als Kritiker des dänischen Kolonialerbes sieht – etwa im Zusammenhang mit Zwangssterilisationen oder Arbeitslosigkeit –, werfen ihm Gegner vor, fremde Interessen zu vertreten.
Einige seiner Weggefährten, etwa der oppositionelle Naleraq-Abgeordnete Kuno Fenker, unterstützen seine Vision eines unabhängigen Grönlands mit enger US-Partnerschaft. Doch im Alltag ist Boassen oft isoliert – selbst seine Ehefrau scheint seine Auftritte mit leiser Skepsis zu begleiten.
Zwischen Boxer und Botschafter
Der einstige Boxer mit hellem Teint (sein Vater stammt aus Dänemark) tritt heute eher als selbsternannter politischer Botschafter Grönlands auf. Er hat Fotos mit Trump Jr., Kid Rock, Jordan Peterson und anderen MAGA-Figuren auf seinem Handy gespeichert. Journalisten aus aller Welt besuchen ihn, um mit dem „grönländischen Sohn Trumps“ zu sprechen.
Ob Trump ihn tatsächlich ernst nimmt oder einfach nur symbolisch nutzt, kann Boassen nicht mit Sicherheit sagen. Doch er bleibt dabei: „Ich habe lieber Trump als Kamala Harris. Und ehrlich gesagt – Maurer war ich lange genug.“
Fazit
Jorgen Boassen ist kein gewöhnlicher Grönländer. Er sucht Öffentlichkeit, provoziert und sieht sich als Vorkämpfer für ein unabhängiges Grönland mit amerikanischer Hilfe. In einem Land, das politisch eher skeptisch auf die USA blickt, bleibt er eine Außenseiterfigur – aber eine, die mediale Aufmerksamkeit und politisches Potenzial längst erkannt hat.
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