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Hunderttausende demonstrieren in Tel Aviv – Hoffnung, Dank und Kritik nach Geiselfreilassung

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Nach dem Inkrafttreten einer Waffenruhe im Gazastreifen und der angekündigten Freilassung der verbleibenden Geiseln haben sich am Samstag in Tel Aviv Hunderttausende Menschen auf dem sogenannten Geiselplatz versammelt. Die Stimmung war geprägt von Hoffnung, großer Erleichterung – aber auch deutlicher Kritik an der politischen Führung Israels.

Viele der Demonstrierenden trugen T-Shirts mit den Gesichtern der Geiseln, israelische und US-amerikanische Flaggen wurden geschwenkt. Immer wieder hallten die Rufe „Danke, Trump!“ über den Platz – ein Verweis auf die Rolle, die dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump bei den Verhandlungen zugeschrieben wird.

US-Gesandter lobt Trump – Kritik an Netanjahu

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff sprach vor der Menge und lobte die diplomatischen Bemühungen der USA. „Wir alle sind Präsident Trump zu tiefstem Dank verpflichtet“, sagte Witkoff, was von Applaus und Sprechchören begleitet wurde. Er wurde von Ivanka Trump und Jared Kushner begleitet, die ebenfalls kurze Ansprachen hielten und eine persönliche Botschaft des ehemaligen Präsidenten übermittelten.

Doch nicht alle politischen Akteure erhielten Beifall: Als Witkoff den Namen des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu erwähnte, reagierte die Menge mit lautstarken Buhrufen und Pfiffen. Viele Angehörige der Geiseln werfen Netanjahu vor, die Freilassung zu spät und nicht mit ausreichendem Nachdruck betrieben zu haben.

Rückkehr der Geiseln erwartet – internationale Beobachter vor Ort

Die Rückführung der noch in Gaza festgehaltenen Geiseln soll laut israelischen Angaben am Sonntag beginnen. Insgesamt sollen 47 Menschen freikommen, die Israel am Montag in Empfang nehmen will. Bereits seit Freitagmittag gilt eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas.

Witkoff und Kushner hatten zuvor, begleitet von israelischen Streitkräften, den Gazastreifen besucht. Auch ein hochrangiger US-Militär, Admiral Brad Cooper vom Zentralkommando der USA, nahm laut israelischen Angaben an dem Besuch teil. Fotos und Videos des Feldbesuchs wurden vom israelischen Militär veröffentlicht.

Hintergründe: Krieg, Blockade, verheerende Bilanz

Der Krieg wurde durch den beispiellosen Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 ausgelöst, bei dem 1.200 Menschen in Israel getötet und 251 verschleppt wurden. Israel reagierte mit massiven Militäroperationen im Gazastreifen, bei denen nach palästinensischen Angaben über 67.000 Menschen ums Leben kamen. Internationale Organisationen kritisieren, dass zwischen zivilen Opfern und Kämpfern der Hamas in den Opferzahlen nicht unterschieden werde.

Zugang zum Gazastreifen ist weiterhin stark eingeschränkt. Während US-Gesandte unter Militärschutz einreisen konnten, bleibt unabhängigen Journalistinnen und Journalisten der Zutritt bislang verwehrt – trotz wiederholter Forderungen von internationalen Presseverbänden.

Hoffnung auf Neubeginn – und offene Fragen

Der Friedensplan, den die Hamas und Israel unter US-Vermittlung akzeptiert haben, sieht in seiner ersten Phase die Freilassung der Geiseln vor. Weitere Schritte sollen folgen. Doch viele Beobachter stellen sich die Frage, ob dieser fragile Waffenstillstand tatsächlich einen Wendepunkt darstellt – oder ob es sich lediglich um eine Atempause handelt.

Die Kundgebung in Tel Aviv zeigt: Die Sehnsucht nach Frieden ist groß – ebenso wie der Wunsch nach politischer Verantwortung. Zwischen Dankbarkeit und Misstrauen, zwischen Erleichterung und Wut bleibt offen, wie es weitergeht.

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