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„Hot Take Dating“: Warum Singles jetzt beim ersten Date provozieren – und was das über unsere Zeit sagt

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Vergessen Sie Small Talk, Sternzeichen oder „Was machst du beruflich?“ – das Jahr 2026 startet mit einem Dating-Trend, der genau das Gegenteil von höflichem Kennenlernen propagiert: „Hot Take Dating“. Die Devise lautet: gleich beim ersten Date mit kontroversen Meinungen raus – und schauen, was passiert.

Laut dem „Year in Swipe“-Bericht 2025 von Tinder, veröffentlicht im Dezember, ist „Hot Take Dating“ rasant auf dem Vormarsch. Die Idee dahinter: Wer seine streitbarsten Ansichten sofort offenlegt, sortiert unpassende Matches effizient aus – und findet schneller Menschen, die wirklich zu einem passen.

Klingt mutig. Oder brandgefährlich.

Was ist „Hot Take Dating“?

Beim „Hot Take Dating“ geht es nicht nur darum, ehrlich zu sein. Es geht um bewusst provokante Aussagen: politische Meinungen, kulturelle Kontroversen, Grundsatzfragen – und das am besten gleich zum Einstieg. Also etwa: „Ich finde Monogamie überbewertet.“ Oder: „Ich glaube, Reality-TV ist die höchste Form der Kunst.“

Der Trend widerspricht klassischem Dating-Ratgeberwissen, das empfiehlt, gerade über Politik oder Religion anfangs zu schweigen. Doch genau diese Zurückhaltung gilt in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft offenbar als unzeitgemäß.

Warum gerade jetzt?

Laut der Beziehungsexpertin Logan Ury sei das politische Klima ein wesentlicher Faktor. 37 % der Singles geben an, dass geteilte Werte für sie entscheidend beim Dating sind. 41 % sagen sogar, sie würden niemanden daten, der politisch anders tickt.

Auch soziale Medien spielen eine Rolle. Wer online gesehen werden will, braucht eine Meinung – je polarisierender, desto besser. Diese Haltung hat sich auch auf Dating-Plattformen übertragen, meint Beziehungsexpertin Jess Hoffman: „Wir sind es inzwischen gewohnt, laut und klar Position zu beziehen – und wir wurden darin regelrecht trainiert.“

Vorteile? Ja. Risiken? Viele.

Beziehungsexperten sehen in „Hot Take Dating“ durchaus Potenzial – wenn es richtig gemacht wird.

Es könne durchaus sinnvoll sein, frühzeitig über Werte und Weltanschauungen zu sprechen – vor allem, wenn diese tatsächlich beziehungsentscheidend sind. Der entscheidende Punkt sei das Wie, sagt Dating-Coach Blaine Anderson: „Wer seine Meinung aggressiv oder belehrend formuliert, wirkt schnell unflexibel – oder einfach extrem.“

Denn so sehr Ehrlichkeit geschätzt wird, suchen die meisten Menschen keinen ideologischen Kreuzritter als Partner*in. „Wenn man beim ersten Date klingt wie ein Polit-Podcast auf Speed, schreckt das eher ab“, so Anderson.

Wenn das Date zur Debatte wird

Tatsächlich kann der Trend ins Gegenteil umschlagen. Wer zu stark provoziert, läuft Gefahr, gute Matches vorschnell zu vergraulen – nur weil diese vielleicht einen anderen Tonfall bevorzugen oder bei bestimmten Themen differenzierter denken.

„Niemand will missioniert werden“, warnt Hoffman. „Wenn dein Ziel beim Date ist, dein Gegenüber von deiner Meinung zu überzeugen, wird es schwierig.“

Fazit: Ein Trend mit doppeltem Boden

Trotz aller Risiken sei „Hot Take Dating“ laut Hoffman ein Schritt in die richtige Richtung – nämlich hin zu mehr Authentizität. Statt sich aus Angst vor Ablehnung zu verstellen, sollen Menschen ihre echten Werte teilen – respektvoll, aber ehrlich.

Am Ende gilt: Ein Date ist kein Streitgespräch. Wer provoziert, um zu polarisieren, wird selten überzeugen. Wer aber offen zeigt, was ihm wirklich wichtig ist – ohne zu urteilen –, hat gute Chancen auf ein Match mit Substanz.

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