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Historischer Prozess in den USA: Instagram und YouTube vor Gericht wegen angeblicher Sucht und psychischer Schäden bei Jugendlichen

EyestetixStudio (CC0), Pixabay
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In einem wegweisenden Gerichtsprozess muss sich erstmals die US-Techbranche wegen der angeblich gezielten Suchtmachung durch Social-Media-Plattformen verantworten. Die heute 20-jährige Klägerin – im Verfahren nur als KGM bekannt – wirft Meta (Instagram) und YouTube vor, ihre psychische Gesundheit mit süchtig machenden Funktionen massiv geschädigt zu haben.

Die Vorwürfe wiegen schwer: KGM und ihre Mutter machen die Plattformen verantwortlich für Angststörungen, Körperwahrnehmungsstörungen und Suizidgedanken, die sie in ihrer Jugend entwickelt habe. Das Verfahren ist das erste von mehr als 1.500 ähnlichen Klagen, die aktuell gegen Social-Media-Konzerne anhängig sind.

Sucht durch Design?

Laut KGM-Anwalt Mark Lanier sei das Ziel der Plattformen gewesen, Nutzerinnen wie seine Mandantin möglichst lange zu binden:

„Sie wurde regelrecht verschlungen von diesen Apps. Ihre Kindheit – und damit auch ihr Erwachsenenleben – nahmen eine unnatürliche Wendung.“

Besonders kritisiert werden dabei Funktionen wie:

  • Endlos scrollbare Feeds
  • Permanente Push-Benachrichtigungen
  • Beauty-Filter mit Körperverzerrungseffekten

Zudem berichten KGM und ihre Mutter von Cybermobbing und einem Sextortion-Vorfall auf Instagram, bei dem versucht wurde, KGM mit expliziten Bildern zu erpressen.

KGM begann laut Klageschrift bereits mit 6 Jahren YouTube zu nutzen, Instagram mit 9. Teilweise verbrachte sie angeblich bis zu sieben Stunden täglich auf den Plattformen – trotz Versuchen ihrer Mutter, den Zugang mit Drittanbietersoftware zu blockieren.

Die Gegenseite: Schuld ist die Familie

Die Verteidiger von Meta und YouTube wollen die Verantwortung auf KGM’s familiäres Umfeld lenken: Der Vater soll gewalttätig gewesen sein, die Mutter habe sich allein um drei Kinder kümmern müssen. Die Anwälte argumentieren, die familiären Probleme seien ausschlaggebend für KGM’s psychische Lage – nicht die Plattformen.

Ein YouTube-Anwalt erklärte, KGM’s Mutter hätte „das Handy jederzeit wegnehmen“ können.

Meta hingegen bleibt bei der Linie, stets um die Sicherheit junger Menschen bemüht zu sein. Eine Sprecherin sagte:

„Wir widersprechen diesen Vorwürfen entschieden und sind überzeugt, dass die Beweise unser Engagement für junge Menschen belegen werden.“

Auch YouTube wies die Vorwürfe als „nicht wahr“ zurück.

Bedeutung über den Einzelfall hinaus

Der Fall KGM gilt als Präzedenzfall. Sollten die Klägerinnen gewinnen, könnten Milliardenforderungen auf die Tech-Giganten zukommen – und ein Umdenken bei Design und Regulierung von Plattformen erzwingen.

Bereits vor Prozessbeginn hatten sich TikTok und Snapchat mit KGM außergerichtlich geeinigt. Beide bleiben jedoch in anderen Fällen weiter angeklagt.

Im Gerichtssaal in Los Angeles zeigte sich während der zweiwöchigen Jury-Auswahl, wie kontrovers das Thema ist. Einige potenzielle Geschworene äußerten sich besorgt über die Auswirkungen von Social Media auf Kinder und ältere Menschen, andere betonten die Verantwortung der Eltern.

Eltern halten Mahnwachen – CEOs müssen aussagen

Begleitet wird der Prozess von Mahnwachen betroffener Eltern, die ihre Kinder durch mutmaßliche Social-Media-Schäden verloren haben. Sie hoffen, dass dieser Prozess endlich Verantwortung bringt.

Für die kommenden Wochen werden hochrangige Zeugen erwartet – darunter:

  • Meta-CEO Mark Zuckerberg
  • Instagram-CEO Adam Mosseri
  • YouTube-CEO Neal Mohan

Der Prozess könnte die Debatte um digitale Verantwortung, Kinderrechte im Netz und die Regulierung von Algorithmen neu entfachen – weltweit.

Hintergrund:
Die Klage kritisiert, dass Social-Media-Plattformen nicht nur Inhalte bereitstellen, sondern durch verhaltenspsychologische Mechanismen gezielt Sucht fördern, um Werbeeinnahmen zu maximieren – ein Vorwurf, der seit Jahren diskutiert, aber selten vor Gericht konkret verhandelt wurde.

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