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Heimatlos und abgeschoben: Bhutanische Flüchtlinge in rechtlichem Niemandsland

jorono (CC0), Pixabay
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Mehr als zwei Dutzend Lhotshampa-Flüchtlinge, eine nepalesischsprachige Minderheit aus Bhutan, wurden in den letzten Monaten von den USA nach Bhutan abgeschoben – ein Land, das sie bereits in den 1990er-Jahren unter Zwang verlassen mussten. Bhutan jedoch verweigert ihre Aufnahme. Nun stranden sie erneut: staatenlos, ohne gültige Dokumente, ohne Perspektive – teils zurück in denselben Flüchtlingscamps, in denen sie geboren wurden.


🏚️ Von Bhutan vertrieben, in den USA gescheitert, in Nepal unerwünscht

Die Lhotshampa, in Bhutan lange systematisch diskriminiert, wurden während ethnischer Säuberungen in den 1980er- und 90er-Jahren vertrieben. Über 100.000 Menschen lebten daraufhin jahrzehntelang in Flüchtlingslagern in Nepal. Ab 2007 wurden viele von ihnen legal in westliche Länder umgesiedelt, darunter die USA, Kanada und Australien – mit UN-Hilfe.

Doch seit März 2025 haben die US-Behörden über 30 Flüchtlinge abgeschoben, obwohl Bhutan nicht bereit ist, diese Menschen aufzunehmen. Sie werden stattdessen an die indisch-bhutanische Grenze gebracht, mit Bargeld versorgt – und faktisch abgeschoben nach Indien oder Nepal.


🧍‍♂️ Fallbeispiel: Ramesh Sanyasi

Der heute 24-jährige Ramesh Sanyasi wurde in einem Flüchtlingslager in Nepal geboren und emigrierte im Alter von 10 Jahren legal mit seiner Familie in die USA. In Pennsylvania arbeitete er zuletzt in einem Amazon-Lager, bis er nach einem Vorfall mit einem geliehenen Auto festgenommen und später wegen mehrerer Delikte verurteilt wurde.

Nach seiner Haftstrafe wurde er im April nach Bhutan abgeschoben, das ihn jedoch an der Grenze direkt weiter nach Indien auswies. Mit Hilfe von Schleppern gelangte er schließlich zurück ins Flüchtlingslager Beldangi in Nepal.

„Ich habe keine Ausweispapiere. Ich kann nicht arbeiten, kein Geld abheben – ich existiere quasi nicht“, sagt Sanyasi.
„Meine Familie ist in den USA, ich lebe hier ziellos, abhängig von Überweisungen – bis das Geld ausgeht.“


⚖️ Abschiebung trotz legaler Einreise

Die meisten Betroffenen – darunter auch Sanyasi – reisten legal in die USA ein und verloren ihr Aufenthaltsrecht nach Verurteilungen wegen unterschiedlich schwerer Straftaten. Laut US-Recht können Nicht-Staatsbürger ihr Visum verlieren, wenn sie wegen bestimmter Delikte verurteilt wurden.

Nach Verbüßung ihrer Strafen wurden sie jedoch nicht in ihre „Heimat“ zurückgeführt, sondern in einen diplomatischen Graubereich entlassen, ohne Status in den USA, Bhutan oder Nepal.


🚫 Nepal kann sie nicht behalten – Bhutan will sie nicht zurück

Nach ihrer Ankunft wurden einige der Abgeschobenen sogar in Nepal erneut verhaftet, wegen illegaler Grenzübertritte. Zwar wurden sie später wieder freigelassen – doch sie dürfen die Lager nicht verlassen, besitzen keine Reisedokumente und leben unter stark eingeschränkten Bedingungen.

Nepals Regierung ist ratlos:

„Die USA nehmen sie nicht zurück, und Bhutan lehnt sie ab. Wir wissen nicht, wohin mit ihnen“, sagt Tikaram Dhakal, Direktor der nepalesischen Einwanderungsbehörde.


🌍 Menschenrechtlich bedenklich

Laut internationalem Recht ist es unzulässig, Personen in ein Land abzuschieben, in dem ihnen Verfolgung droht. Dennoch hat die Trump-Regierung begonnen, verstärkt in solche Staaten abzuschieben – darunter Südsudan, Libyen und nun auch Bhutan.

„Diese Menschen haben kein Land. Sie wurden von Bhutan vollständig entrechtet und staatenlos gemacht“, sagt Gopal Krishna Siwakoti, Präsident des nepalesischen Instituts für Menschenrechte.
„Die Abschiebung war ein Fehler – sie hat das Problem nur verschärft.“


🧑‍🍼 Familie in den USA, Leben im Lager

Ashish Subedi, ein weiterer Abgeschobener, hatte in den USA eine Familie gegründet. Er lebt nun wieder im Lager Beldangi – unfreiwillig, ohne Dokumente, getrennt von seiner Ehefrau und der gemeinsamen Tochter.

„Ich will zurück in die USA. Bhutan ist keine Option. Dort droht Gefängnis – oder Schlimmeres.“


📢 Appell aus der Community: Bestrafung ja – aber nicht Abschiebung

In US-Städten wie Harrisburg (Pennsylvania) wächst die Angst unter Bhutanesen. Tilak Niroula, ein Gemeindevertreter:

„Wir wollen, dass Straftaten bestraft werden – aber Abschiebung ist keine Lösung. Wir haben in den USA ein neues Zuhause gefunden. Es ist unser Zuhause.“


🧭 Fazit: Gefangen im Niemandsland

Die Betroffenen sind staatenlos, isoliert, entrechtet – in einem rechtlichen und menschlichen Vakuum zwischen drei Ländern. Weder Bhutan noch Nepal noch die USA bieten aktuell eine Lösung an.

„Familientrennung ist keine Lösung“, sagt Niroula.
Doch genau das ist die Realität für viele Lhotshampa – 30 Jahre nach ihrer ersten Vertreibung.

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