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Harry gegen die Presse – ein alter Kampf, aber ein neuer Ton

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Wenn Prinz Harry dieser Tage erneut vor dem Londoner High Court steht, wirkt vieles vertraut. Wieder geht es um den Vorwurf illegaler Recherchemethoden, wieder um Machtmissbrauch durch britische Boulevardmedien, wieder um einen Prinzen, der sich dem Pressesystem entgegenstellt. Und doch ist diesmal etwas grundlegend anders.

Der neue Prozess gegen den Verlag Associated Newspapers, zu dem auch die Daily Mail gehört, fällt in eine Phase, in der Harry sichtbar versucht, sein Leben neu zu ordnen. Während frühere Klagen begleitet waren von medienwirksamen Interviews, scharfen öffentlichen Abrechnungen und seinem Memoiren-Bestseller Spare, wirkt der Herzog von Sussex nun deutlich zurückhaltender. Der Ton ist leiser, kontrollierter – und strategischer.

Das Verfahren ist dennoch brisant. Gemeinsam mit prominenten Mitklägern wie Elton John, Liz Hurley und Baroness Doreen Lawrence wirft Harry dem Verlag vor, über Jahre hinweg systematisch Persönlichkeitsrechte verletzt zu haben – durch Abhören von Telefonen, Täuschung („Blagging“) und verdeckte Überwachung. Associated Newspapers weist die Vorwürfe vehement zurück und spricht von haltlosen Anschuldigungen.

Juristisch ist der Fall für Harry schwieriger als frühere Erfolge gegen andere Medienhäuser. Anders als Zeitungen, die im Zentrum des Telefonhacking-Skandals standen, bestreitet die Mail-Gruppe bis heute, jemals systematisch illegal gehandelt zu haben. Zudem setzen enge Verjährungsfristen die Kläger unter Druck. Jeder einzelne Vorwurf muss präzise bewiesen werden – pauschale Systemkritik lässt der Richter nicht zu.

Politisch und persönlich steht für Harry jedoch mehr auf dem Spiel als ein Urteil. Seine öffentlichen Signale der letzten Monate deuten klar auf einen Wunsch nach Versöhnung mit dem Königshaus hin. Treffen mit seinem Vater König Charles III, Worte der Mäßigung und das bewusste Meiden medialer Eskalation lassen erkennen: Dieser Prozess soll kein weiteres Kapitel im Familienkonflikt sein.

Gerade deshalb bleibt Harry diesmal isoliert. Weder König noch Thronfolger William werden ihn während des Verfahrens treffen. Der Palast hält demonstrativ Abstand – aus staatsrechtlicher Vorsicht und aus dem Wunsch, nicht in juristische Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden. Für Harry bedeutet das: Er führt diesen Kampf allein, ohne den symbolischen Rückhalt früherer Rollen im Königshaus.

Kommentatoren sehen darin möglicherweise „Harrys letzte Offensive“ gegen die britische Boulevardpresse. Nach Jahren der Konfrontation scheint sich der Fokus zu verschieben – weg von öffentlicher Anklage, hin zu juristischer Klärung. Sollte das Verfahren scheitern, könnte es der Schlusspunkt einer langen Auseinandersetzung sein. Gelingt es, ein Fehlverhalten nachzuweisen, wäre dies ein spätes, aber wichtiges Signal für Medienethik und Machtkontrolle.

Unabhängig vom Ausgang zeigt dieser Prozess vor allem eines: Harry wirkt weniger getrieben von Wut als von dem Wunsch, abzuschließen. Nicht mehr der Rebell gegen „das System“, sondern ein Mann, der einen zentralen Konflikt seines Lebens ordnen will – ohne ihn weiter eskalieren zu lassen.

Vielleicht ist genau das der größte Unterschied zu früher.

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