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Handys in den Knast? Warum immer mehr Konzerte und Schulen zur Smartphone-Abstinenz greifen

qimono (CC0), Pixabay
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In einer Zeit, in der man kaum noch eine Pizza isst, ohne es auf Instagram zu posten, oder ein Konzert besucht, ohne das halbe Set durch den Handybildschirm zu filmen, stellt sich eine unerwartete Gegenbewegung ein: Smartphone-Verbote – freiwillig oder durchgesetzt.

McCartney unplugged – und das Publikum auch

Als Sir Paul McCartney im Santa Barbara Bowl auftrat, machte er das, was viele Musiker nur heimlich wünschen: ein Konzert ohne Handys. 4.500 Fans mussten ihre Geräte in spezielle, verschließbare Pouches stecken – und erlebten den Abend völlig analog. Der Ex-Beatle jubelte: „Niemand hat ein Handy. Ehrlich – es ist besser so!“

Was nach Retro-Romantik klingt, wird durch eine simple Technik ermöglicht: Yondr-Pouches. Die Smartphones bleiben bei der Person, werden aber magnetisch versiegelt und erst am Ausgang wieder entsperrt.

Vom Festival-Schock zur Geschäftsidee

Die Idee stammt von Graham Dugoni, einem ehemaligen Profifußballer. Auf einem Festival 2012 beobachtete er, wie ein Betrunkener von Fremden gefilmt und online bloßgestellt wurde. „Ich fragte mich: Was bedeutet Privatsphäre heute eigentlich noch?“ Aus diesem Moment wurde Yondr, ein Start-up, das inzwischen Millionen Pouches an Schulen, Theater und Konzerthallen liefert.

Auch Künstler wie Alicia Keys, Dave Chappelle oder Jack White setzen auf Handy-freie Zonen, um das Publikum „zurück in den Moment“ zu holen – und ihre eigenen kreativen Freiheiten zu erweitern.

Schulen: Konzentration statt TikTok

Während Musiker auf Authentizität setzen, verfolgen Schulen ein ernsteres Ziel: Fokus und Disziplin. Rund 250.000 Schüler in England nutzen laut Yondr bereits die Pouches – allein eine Akademie in Yorkshire investierte 75.000 Pfund in das System.

Gillian Mills, Schulleiterin in York, ist begeistert: „Keine Streitereien mehr über Handys, keine Unterbrechungen im Unterricht – Lehrer können wieder lehren.“

Paul Nugent, Gründer von Hush Pouch, ergänzt: „Smartphones erzeugen Angst, Ablenkung und sozialen Druck. Die einzige echte Lösung ist: Weg damit – ganz.“

Zwar sei der Widerstand anfangs groß, räumt Nugent ein – besonders in der ersten Woche. „Aber sobald alle merken, dass niemand ein Handy hat, fühlen sich viele plötzlich… frei.“

Politik mischt sich ein – mit drastischen Forderungen

Während sich Schulen individuelle Lösungen suchen, kochen die politischen Debatten hoch:

  • Die Konservativen unter Kemi Badenoch fordern ein generelles Smartphone-Verbot an Schulen.

  • Die Labour-Regierung will kein landesweites Verbot, prüft aber ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige.

  • Ofsted, die Schulaufsichtsbehörde, soll künftig Handynutzung im Schulalltag kontrollieren.

Wo endet der digitale Wahnsinn?

Der Smartphone-Boom ist längst mehr als ein Trend – er ist ein System. Getrieben von Algorithmen, Plattformen und FOMO (Fear of Missing Out), durchdringen Handys alle Lebensbereiche. Doch ein Umdenken scheint greifbar.

„Wir bekommen inzwischen Anfragen für Handyverbote bei Hochzeiten, Filmdrehs, Theaterstücken – sogar auf Beerdigungen“, sagt Nugent.

Und Yondr-Gründer Dugoni warnt: „Wenn wir weiter alles auslagern – Kommunikation, Denken, Aufmerksamkeit – dann verlieren wir, was uns menschlich macht.“

Vielleicht haben jene 4.500 Fans recht, die ohne Handys mit McCartney bei Sonnenuntergang ‘Hey Jude’ sangen. Manchmal ist weniger wirklich mehr – besonders, wenn es leuchtet, piept und vibriert.

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