Die palästinensische Organisation Hamas hat ihren wichtigsten Verbündeten Iran ungewöhnlich deutlich dazu aufgerufen, Angriffe auf Staaten am Persischen Golf zu beenden.
In einer Erklärung bat die von Teheran unterstützte Gruppe ihre „Brüder im Iran“, keine Nachbarländer ins Visier zu nehmen. Stattdessen sollten alle Staaten der Region zusammenarbeiten, um die „Brüderlichkeit zwischen den Völkern“ zu bewahren.
Gleichzeitig betonte die Hamas jedoch, dass Iran grundsätzlich das Recht habe, sich gegen die Angriffe der USA und Israels zu verteidigen, die ihre Militärschläge gegen iranische Ziele fortsetzen.
Angriffe treffen auch zivile Infrastruktur
Die iranische Regierung erklärte, ihre Vergeltungsschläge richteten sich gegen amerikanische Einrichtungen in den Golfstaaten und nicht gegen die Länder selbst. In der Praxis wurden jedoch mehrfach zivile Infrastruktur und Energieanlagen getroffen.
So wurde am Samstag etwa der Hafen von Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ein wichtiger Umschlagplatz für Ölexporte, durch einen Drohnenangriff beschädigt.
In den vergangenen zwei Wochen wurden durch Raketen- und Drohnenangriffe in der Region mindestens 18 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Sicherheitskräfte oder ausländische Arbeitskräfte.
Nach bisherigen Angaben kamen
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sechs Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten,
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sechs in Kuwait,
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sowie jeweils zwei in Oman, Saudi-Arabien und Bahrain ums Leben.
Hamas verfolgt Krieg mit Sorge
In ihrer Erklärung erklärte die Hamas, sie verfolge den Krieg in der Region „mit großer Besorgnis“. Die Organisation rief alle Staaten und internationalen Organisationen dazu auf, auf ein sofortiges Ende der Kämpfe hinzuwirken.
Iran selbst reagierte bislang nicht öffentlich auf den Appell.
Enge Verbindung zwischen Hamas und Iran
Der Iran gilt als wichtigster Unterstützer der Hamas. Teheran stellt der Organisation finanzielle Mittel, Waffen und politische Rückendeckung zur Verfügung.
Nach Beginn des Krieges hatte die Hamas die Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei bei einem gemeinsamen US-israelischen Angriff am ersten Kriegstag Ende Februar als „schweres Verbrechen“ verurteilt.
Die Hamas gehört zum sogenannten „Widerstandsblock“, einem Netzwerk von Gruppen und Staaten, die sich gegen den Einfluss der USA und Israels im Nahen Osten stellen.
Komplexe Allianzen im Nahen Osten
Gleichzeitig erhält die Hamas auch politische und finanzielle Unterstützung aus anderen Ländern der Region, darunter Türkei und Katar – Staaten, die in den vergangenen Tagen ebenfalls von iranischen Angriffen betroffen waren.
Der Konflikt im Nahen Osten bleibt damit von einem komplexen Geflecht aus Allianzen geprägt.
Waffenruhe im Gazakrieg brüchig
Parallel zum aktuellen Krieg zwischen Iran, den USA und Israel wirkt auch der Konflikt zwischen Israel und der Hamas weiter nach.
Im Gazastreifen galt seit Oktober vergangenen Jahres eine von den USA vermittelte Waffenruhe, über deren weitere Umsetzung weiterhin verhandelt wird.
Beide Seiten werfen sich jedoch regelmäßig Verstöße vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden seit Beginn der Waffenruhe 649 Menschen im Gazastreifen getötet.
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