Bitte zahlen Sie an der Kassa… aber bitte nicht so genau!“ – Das schien jahrelang das heimliche Motto zahlreicher Gastronomiebetriebe in Ostösterreich gewesen zu sein. Die Steuerfahndung hat nun ein Kassenstück in mehreren Akten aufgedeckt, das nicht einmal das Burgtheater besser inszenieren könnte.
Das Drehbuch?
Manipulierte Software, Bargeld, das spurlos verschwindet, und eine Hauptrolle für den offenbar sehr kreativen Hersteller einer Registrierkassen-Software, der nun als Hauptverdächtiger zwar kurz in U-Haft war – aber offenbar bereits auf Bewährung für das nächste Tech-Startup im Graubereich.
Laut Finanzministerium: Schaden in Millionenhöhe. Laut Gastronomen: „Missverständnis im Buchungssystem.“ Laut Kunden: „Ich dachte, die Rechnung gibt’s nur auf Nachfrage?“
Österreichweit Razzien – Ostösterreich als gastronomisches Bermuda-Dreieck
Besonders betroffen: Wien, Niederösterreich, Burgenland – also überall dort, wo Kaffee 5,20 kostet und man trotzdem keinen Beleg bekommt. Die Steuerfahndung hat über 50 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Wahrscheinlich waren sie dabei besser organisiert als mancher Servicebetrieb zur Mittagszeit.
Die Software des Grauens
Die „Manipulationssoftware“, so erklärt es der Chef des Amts für Betrugsbekämpfung, Christian Ackerler, funktionierte denkbar einfach: Wurde bar gezahlt und keine Rechnung verlangt, löschte sich der Umsatz wie von Zauberhand. Harry Potter wäre neidisch. Die Beamten staunten jedenfalls nicht schlecht, als sie auf handschriftliche „Schwarzkassabücher“ stießen – offenbar ein beliebtes Hobby neben Craft Beer und vegane Burger.
Anzeigen kamen – Überraschung! – aus der Branche selbst.
Ja, richtig gelesen. Die Gastro-Welt ist eben doch ein Haifischbecken. Neid, Missgunst und Konkurrenzdenken führten letztlich zur Aufdeckung. Oder wie ein nicht näher genannter Lokalbesitzer anonym berichtete:
„Wenn ich ehrlich Steuern zahle, dann soll der Schnitzelkönig von nebenan nicht mit seiner Phantomkasse Porsche fahren!“
Marterbauer zeigt sich entsetzt
Finanzminister Marterbauer (SPÖ) spricht vom „Ende der steuerlichen Unschuld“ in der Gastronomie. Steuerbetrug sei „kein Kavaliersdelikt“, sondern ein Angriff auf den Rechtsstaat. Und auf sein Budgetloch. Man gehe jetzt konsequent gegen schwarze Schafe vor – bei Bedarf auch mit der Kettensäge.
Und das nächste Mal?
Nun, laut Ackerler sei dieser Fall nicht der letzte. Denn wer glaubt, dass sich Betrüger durch Aufdeckung beeindrucken lassen, glaubt wahrscheinlich auch, dass der Espresso im Schanigarten wirklich nur 1,80 kostet.
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