Europäische Strafverfolgung räumt mit dem illegalen Handel von synthetischen Drogen auf
Im bislang größten Einsatz gegen die Produktion synthetischer Drogen in Europa haben Ermittler unter der Leitung von Europol eine kriminelle Großorganisation zerschlagen, die europaweit operierte. Im Rahmen der Operation „Fabryka“ wurden insgesamt 24 industrielle Drogenlabore zerschlagen, 85 Personen verhaftet und 1.000 Tonnen chemischer Vorprodukte sichergestellt – genug, um über 300 Tonnen Drogen wie MDMA, Amphetamin und Cathinone herzustellen.
Die Aktion gipfelte am 16. Januar 2026 in einer koordinierten Großrazzia in Polen, Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Allein an diesem Tag wurden 20 Verdächtige festgenommen, darunter zwei sogenannte „High Value Targets“. In 50 Wohn- und Geschäftsräumen – darunter auch vier große Verteilerzentren – wurden gefährliche Substanzen, Fahrzeuge, Immobilien und sogar eine aktive Cannabisplantage mit über 2.000 Pflanzen beschlagnahmt.
Internationale Zusammenarbeit auf höchstem Niveau
Die Operation „Fabryka“, die bereits 2024 auf Initiative der polnischen Polizei ins Rollen kam, vereinte Ermittlungsbehörden aus Belgien, Deutschland, Spanien, Tschechien, den Niederlanden und Polen. Mit Unterstützung von Europol wurde in mehr als 20 Einsatztagen über ein Jahr hinweg systematisch gegen ein weit verzweigtes Drogenkartell vorgegangen.
Die Struktur des Netzwerks war raffiniert: Über sieben scheinbar legale Firmen in Polen wurden riesige Mengen an industriellen Chemikalien aus China und Indien importiert, umetikettiert und anschließend an illegale Drogenlabore in ganz Europa verteilt. Die Behörden identifizierten 16 Lagerstätten, 50 Lieferorte und eben jene 24 Produktionsstätten, in denen unter industriellen Bedingungen synthetische Drogen hergestellt wurden.
Milliardengewinne – und massive Umweltschäden
Die kriminellen Aktivitäten haben laut Schätzungen einen Milliardenumsatz generiert. Doch der Schaden geht weit über den finanziellen Aspekt hinaus: Allein in diesem Einsatz wurden über 120.000 Liter toxischer Chemieabfälle sichergestellt. Diese gefährlichen Substanzen – teils korrosiv, entzündlich oder giftig – wurden oftmals illegal in Böden oder Gewässer entsorgt, mit verheerenden Folgen für Umwelt, Tiere und Menschen.
Ein Gramm Endprodukt bedeutet oft 5 bis 30 Gramm hochgiftigen Abfall. Die langfristigen Konsequenzen für Böden und Grundwasser lassen sich kaum beziffern.
EU-Aktionsplan gegen Drogenhandel greift
Die Operation „Fabryka“ ist Teil der umfassenden Strategie der Europäischen Union gegen den zunehmenden Handel mit synthetischen Drogen. Mit dem Aktionsplan gegen Drogenhandel 2026–2030, der im Dezember 2025 verabschiedet wurde, stellt Brüssel nun auch den Missbrauch legaler Lieferketten und Chemikalien stärker unter Beobachtung.
Fazit: Erfolgreicher Schlag – aber kein Grund zur Entwarnung
Trotz des historischen Erfolgs der Operation „Fabryka“ warnen Experten: Die Produktion synthetischer Drogen verlagert sich zunehmend in den europäischen Raum, mit immer kleineren und mobilen Labors. Die kriminellen Netzwerke agieren hochprofessionell und global vernetzt.
Europol setzt deshalb weiterhin auf intensive Zusammenarbeit, präzise Datenanalyse und den gezielten Aufbau von Spezialeinheiten zur Bekämpfung dieser wachsenden Bedrohung.
Die EU bleibt ein Hotspot im globalen Drogengeschäft – doch mit Einsätzen wie „Fabryka“ sendet sie ein klares Signal: Organisierte Kriminalität hat in Europa keinen sicheren Rückzugsort mehr.
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