Auf den Amerikanischen Jungferninseln – einst die Dänischen Westindischen Inseln – erinnern noch heute dänische Straßennamen, Kolonialbauten und ehemalige Zuckerplantagen an die 250-jährige Herrschaft Dänemarks. Heute gehören die Inseln seit über 100 Jahren als Außengebiet zu den USA.
Mit Blick auf Präsident Trumps jüngste Bemühungen, sich „Zugang zu Grönland“ zu sichern, fühlen sich viele Einwohner der Jungferninseln an ihre eigene Geschichte erinnert. Auch damals, 1917, kaufte die USA die Inseln von Dänemark – für 25 Millionen Dollar. Die einheimische Bevölkerung hatte dabei kein Mitspracherecht.
Stephanie Chalana Brown, eine afrokreolische Historikerin, sagt: „Meine Vorfahren wurden einst von Dänemark versklavt und dann ohne Zustimmung an die USA verkauft. Ich sehe jetzt dieselben Muster gegenüber Grönland.“ Brown setzt sich heute für Reparationen ein und warnt davor, dass die Menschen in Grönland – mehrheitlich Inuit – ebenfalls übergangen werden könnten.
Grönland ist reich an Rohstoffen und strategisch bedeutsam im arktischen Raum. Doch während Trump auf einen Deal mit Dänemark drängt, bleibt unklar, inwieweit die grönländische Bevölkerung oder deren Parlament in Verhandlungen eingebunden sind. Viele Grönländer protestieren bereits gegen die mögliche Einflussnahme.
Felipe Ayala vom St. Thomas Historical Trust beobachtet das Geschehen mit Sorge: „Wir wissen, was es bedeutet, von außen kontrolliert zu werden – ohne Stimme, ohne Wahlrecht für den Präsidenten, ohne volle Repräsentation im Kongress.“
Die Angst besteht, dass eine amerikanische Präsenz in Grönland – besonders militärisch – ähnlich tiefgreifende kulturelle Auswirkungen haben könnte wie auf den Jungferninseln. „Unsere Kinder wachsen mit amerikanischem Fernsehen auf, unsere Kultur geht langsam verloren“, sagt Brown. „Ich hoffe, Grönland bleibt das erspart.“
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