Startseite Allgemeines Grönland-Konflikt überschattet Weltwirtschaftsforum – Europäer üben scharfe Kritik an Trump
Allgemeines

Grönland-Konflikt überschattet Weltwirtschaftsforum – Europäer üben scharfe Kritik an Trump

PublicDomainPictures (CC0), Pixabay
Teilen

Die geopolitischen Spannungen rund um US-Präsident Donald Trumps Bestrebungen, Grönland unter amerikanische Kontrolle zu bringen, überschatten das diesjährige Weltwirtschaftsforum in Davos. Führende Politiker aus Europa und Kanada kritisierten offen die außenpolitische Linie der USA, die sich zunehmend von internationalen Normen und multilateraler Zusammenarbeit entfernt.

Macron: „Imperiale Ambitionen“ und „Gesetz des Stärkeren“

Der französische Präsident Emmanuel Macron warnte in einer flammenden Rede vor einem „Abdriften in eine Welt ohne Regeln“. Ohne Trump namentlich zu nennen, kritisierte er die „endlose Anhäufung von Zöllen“ und sprach von einer Rückkehr zu imperialem Denken, das „Europas Souveränität untergraben“ solle.

Macron zeigte sich entschlossen, dem etwas entgegenzusetzen: Europa verfüge heute über „starke Werkzeuge“, um seine Interessen zu verteidigen, etwa das neue EU-Handelsschutzinstrument, das als „Anti-Erpressungswaffe“ gegen feindliche Wirtschaftspolitik gedacht ist.

Trump: Zwangsmittel gegen Verbündete

Trump hatte zuvor mit Zöllen von bis zu 200 % auf französischen Wein und Champagner gedroht, sollte Macron seinem neu initiierten „Board of Peace“ für Gaza nicht beitreten. Die USA würden das Friedensgremium auch mit anderen internationalen Konflikten beauftragen, heißt es in Einladungen an Staats- und Regierungschefs, was Kritiker als Konkurrenz zur UNO werten.

Frankreich lehnt eine Teilnahme ab. Trump kommentierte das gewohnt polemisch: „Niemand will ihn [Macron], er ist bald weg vom Fenster.“ Der Sitz im Board kostet 1 Milliarde Dollar – Ungarn und Vietnam haben bereits zugesagt. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin wurde eingeladen.

Grönland als geopolitisches Druckmittel

Parallel droht Trump acht europäischen Staaten – darunter Deutschland, Frankreich und Dänemark – mit Strafzöllen von bis zu 25 % auf alle Waren ab Juni, solange kein „vollständiger Kauf Grönlands“ vereinbart sei. In einem privaten Text an Norwegens Premier schrieb Trump, er sehe sich nicht mehr dem Frieden verpflichtet, nachdem ihm der Friedensnobelpreis verweigert wurde.

Der Premier von Grönland, Jens-Frederik Nielsen, warnte: „Internationale Rechtsordnung ist kein Spiel.“ Grönland sei offen für stärkere Kooperation – aber nur auf Augenhöhe. Die momentane Lage bedrohe das „Fundament globaler Allianzen“, sagte Nielsen in Nuuk.

Kanada warnt vor Ende der regelbasierten Weltordnung

Der kanadische Premierminister Mark Carney äußerte sich in Davos in seltener Deutlichkeit über den „Verfall des regelbasierten Systems“ und die Instrumentalisierung wirtschaftlicher Abhängigkeiten. „Die Mittelmachtstaaten müssen zusammenhalten – sonst stehen sie bald auf der Speisekarte statt am Verhandlungstisch“, sagte er.

Wirtschaft reagiert nervös – Märkte brechen ein

Die Finanzmärkte reagierten empfindlich: Der Dow-Jones-Index verlor über 700 Punkte, auch europäische Börsen gaben deutlich nach. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach von einer „neuen Welle zerstörerischer Unsicherheit“, die Handels- und Investitionsentscheidungen auf beiden Seiten des Atlantiks lähme. Europa müsse daraus lernen, unabhängiger zu werden.

Mauritius weist Trump zurück

Auch die Regierung von Mauritius meldete sich zu Wort, nachdem Trump die Rückgabe der Chagos-Inseln durch das Vereinigte Königreich als „Schwächeakt“ bezeichnet hatte. Mauritius erklärte, die Souveränität über die Inselgruppe sei durch internationales Recht längst eindeutig geregelt.

Fazit: Eskalation mit System

Mit dem Versuch, Grönland durch politischen und wirtschaftlichen Druck unter US-Kontrolle zu bringen, forciert Trump erneut eine außenpolitische Konfrontation mit Europa. Das Treffen in Davos zeigt: Die Gräben zwischen den USA und ihren Verbündeten vertiefen sich – und das Vertrauen in gemeinsame Regeln schwindet. Ob das „Board of Peace“ diesen Widerspruch auflösen oder nur weiter befeuern wird, bleibt offen.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

USA:Crunchy-Moms entern das Internet – und die Impfdebatte gleich mit

Früher trugen sie Leinenhosen, aßen Quinoa, meditierten beim Stillen und wählten links...

Allgemeines

Trump bekräftigt Drohung: Strafzölle wegen Grönland kommen „zu 100 %“ – EU warnt vor Eskalation

US-Präsident Donald Trump hat seine Androhung von Strafzöllen gegen europäische Länder wegen...

Allgemeines

London verteidigt Chagos-Abkommen – Trump nennt es „Akt großer Dummheit“

Die britische Regierung hat das umstrittene Chagos-Abkommen mit Mauritius entschieden verteidigt, nachdem...

Allgemeines

Trump droht Frankreich mit Strafzöllen auf Wein – wegen Gaza-Friedensgremium

US-Präsident Donald Trump hat dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit massiven Zöllen...