Was als satirische Aktion gedacht war, endete in diplomatischem Dauerfrost: Der deutsche Kabarettist Maxi Schafroth sorgte in Grönlands Hauptstadt Nuuk für eisige Stimmung, als er versuchte, vor dem örtlichen Kulturzentrum eine US-Flagge zu hissen – mehrfach. Das Problem: Niemand in Nuuk hatte ihn darum gebeten. Auch nicht Joe Biden. Oder Donald Trump. Oder überhaupt jemand.
Die Bürgermeisterin von Nuuk, Avaaraq Olsen, reagierte frostig: „Das ist kein Kabarett, das ist ein geopolitischer Kurzschluss.“ Sie appellierte an internationale Gäste, zuerst das Gehirn und dann die Flaggenstange zu benutzen:
„Erst denken, dann hissen.“
„Ich bin US-Vertreter.“ – Schafroth im diplomatischen Selbstversuch
Augenzeugen berichten, Schafroth habe gegenüber Passanten behauptet, er sei ein Vertreter der USA – eine Aussage, die wohl nicht einmal Trump selbst ohne Reality-Show-Intro glauben würde. Die Einwohner:innen reagierten weniger amüsiert als verwirrt, verärgert oder schlicht: sehr nordisch.
Die Polizei wurde informiert, der deutsche Spaßvogel kassierte ein Bußgeld und laut Gerüchten auch eine offizielle Einladung, seine zukünftigen Gags „unterhalb der Baumgrenze und außerhalb von Flaggenmasten“ stattfinden zu lassen.
Olsen: „Das ist kein Sketch. Das ist Grönland.“
Bürgermeisterin Olsen legte nach:
„Wer in einer Zeit, in der unser Land von einer Weltmacht bedroht wird, mit deren Fahne herumwedelt, sollte sich weniger mit Satire und mehr mit Erdkunde beschäftigen.“
Sie warnte vor der Instrumentalisierung von Ängsten für Klicks und Gags: „Wenn Sie Witze auf Kosten unserer Souveränität machen, dann sind Sie nicht rebellisch – Sie sind einfach nur schlecht vorbereitet.“
Zur Erinnerung: US-Präsident Donald Trump hatte in den letzten Jahren mehrfach davon gesprochen, Grönland „zu kaufen“, als handle es sich um ein Ferienhaus mit Gletscherblick. Der Vorschlag kam bei der grönländischen Bevölkerung ähnlich gut an wie ein ICE in der Arktis.
Schafroth schweigt – vermutlich aus Selbstschutz
Der Kabarettist selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich. Ob er einsieht, dass geopolitische Spannungen kein Gagmaterial sind – oder ob er schlicht auf der Suche nach einer Steckdose im ewigen Eis ist – bleibt unklar.
Die einzige Flagge, die Schafroth derzeit wohl hissen darf, ist die der selbstironischen Reue. Und vielleicht bald die einer neuen Solo-Tour:
„Missverständnisse auf dünnem Eis – eine Reise durch diplomatisches Neuland.“
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