Der frühere US-Präsident Donald Trump hat zum Abschluss seines Auftritts beim Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt, dass die Vereinigten Staaten „vollständigen Zugang“ zur Arktisinsel Grönland erhalten werden. Die USA könnten demnach dort „so viele Militärbasen bauen, wie sie wollen“, ohne dafür zahlen zu müssen, erklärte Trump in einem Interview mit dem US-Sender Fox Business.
„Wir bekommen alles, was wir wollten – und das zum Nulltarif“, sagte Trump. Die Verhandlungen über den genauen Rahmen seien zwar noch nicht abgeschlossen, doch bereits jetzt sei gesichert, dass die USA uneingeschränkten militärischen Zugang erhielten – ohne zeitliche Begrenzung.
Kein Kauf, aber völliger Zugriff?
Trump, der bereits in seiner ersten Amtszeit für Aufsehen gesorgt hatte, als er offen den Kauf Grönlands von Dänemark ins Spiel brachte, relativierte nun seine früheren Aussagen: Eine formelle Übernahme Grönlands sei „möglich, aber nicht sicher“. Gleichzeitig betonte er, dass die USA bereits jetzt „totale Sicherheit“ und Zugriff auf das Gebiet hätten – einschließlich des Baus eines eigenen Luftverteidigungssystems vom Typ Golden Dome, das auch Grönland umfassen solle.
Dänemark reagiert erleichtert
Die dänische Regierung reagierte zurückhaltend erleichtert auf Trumps Aussagen. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen begrüßte in einer Stellungnahme, dass Trump den Einsatz von Gewalt zur Kontrolle Grönlands ausgeschlossen und zudem seinen Konfrontationskurs gegenüber Europa vorerst beendet habe.
„Der Tag endet versöhnlicher, als er begonnen hat“, so Rasmussen. „Wir begrüßen, dass Präsident Trump den Weg für eine sachliche Zusammenarbeit geöffnet hat. Jetzt müssen wir klären, wie wir die legitimen Sicherheitsinteressen der USA in der Arktis mit der Souveränität des Königreichs Dänemark in Einklang bringen können.“
Hintergrund: Militärische Präsenz längst erlaubt
Tatsächlich erlaubt ein bilaterales Abkommen aus dem Jahr 1951 den USA bereits militärische Präsenz auf Grönland – mit Zustimmung der dänischen Regierung. Die USA dürfen dort sogenannte „Verteidigungszonen“ errichten und für militärische Zwecke ausbauen. Unklar bleibt bislang, worin sich das von Trump angekündigte neue Abkommen konkret davon unterscheiden soll.
Erst im Vorjahr hatten die USA und Dänemark eine hochrangige Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um Meinungsverschiedenheiten zur strategischen Bedeutung Grönlands zu klären.
Börsen reagieren sensibel
Die Finanzmärkte hatten zuvor negativ auf Trumps aggressive Rhetorik gegenüber Europa reagiert. Der S&P 500-Index verzeichnete am 20. Januar seinen schlechtesten Tag seit drei Monaten. Erst nachdem Trump auf seiner Plattform „Truth Social“ angekündigt hatte, eine Einigung über Grönland mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte erzielt zu haben, beruhigten sich die Märkte wieder. Auch geplante Strafzölle auf europäische Länder wurden daraufhin vorerst auf Eis gelegt.
Fazit:
Die USA erhalten wohl deutlich mehr Einfluss auf Grönland – allerdings ohne offiziellen Gebietserwerb. Beobachter sehen darin eine strategische Neuordnung der US-Außenpolitik im Arktisraum. Ob Dänemark diesem Kurs dauerhaft zustimmen wird, dürfte von den weiteren Verhandlungen abhängen.
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