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Green Day überrascht mit politischem Schweigen beim Super Bowl-Auftritt

Chepalos (CC0), Pixabay
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Wer auf eine rebellische Super-Bowl-Show von Green Day gehofft hatte, wurde am Sonntagabend enttäuscht. Die Punkrock-Ikonen um Billie Joe Armstrong eröffneten Super Bowl LX im Levi’s Stadium – jedoch deutlich zahmer, als viele erwartet hatten.

Obwohl Songs aus dem hochpolitischen Album „American Idiot“ auf dem Set standen, blieben zentrale kritische Textzeilen auffällig ausgespart. Besonders auffällig: Beim Song „Holiday“ übersprang die Band die berüchtigte Textzeile „Sieg Heil to the President Gasman“ – eine scharfe Anspielung auf Ex-Präsident George W. Bush – komplett. Auch im anschließenden „American Idiot“ fehlten aktuelle Textvariationen, mit denen Armstrong zuletzt bei Liveauftritten Donald Trumps MAGA-Bewegung kritisiert hatte.

Ein politischer Klassiker – musikalisch entschärft

Während die Performance musikalisch solide war, fiel auf, wie konsequent Green Day politische Spitzen ausblendete. Statt klarer Statements gab es einen Fokus auf Melodie und Nostalgie. Songs wie „Boulevard of Broken Dreams“ wurden ebenso gespielt wie der Klassiker „Good Riddance (Time Of Your Life)”, mit dem die Band das Set eröffnete – ein Song, der oft als emotionale Abschiedsnummer genutzt wird.

Ganz anders noch zwei Tage zuvor: Bei einem Vorab-Event von Spotify und Fanduel in San Francisco hatte Armstrong ICE-Beamte (US-Einwanderungsbehörde) öffentlich aufgefordert, „ihren beschissenen Job zu kündigen“ – inklusive voller politischer Textzeilen.

Von Punk-Provokation zur Stadiontauglichkeit?

Green Day hatte sich mit „American Idiot“ (2004) einst als lautstarke Stimme gegen das politische Establishment positioniert. Songs wie „Holiday“, „American Idiot“ oder „Jesus of Suburbia“ waren ein wütender Kommentar zur US-Politik unter George W. Bush – und machten die Band zu einem Aushängeschild politischer Popmusik.

Dass nun gerade bei einem der meistgesehenen TV-Ereignisse der USA der Ton deutlich entschärft wurde, sorgte für Verwunderung – und Diskussionen in sozialen Medien. Einige Fans fragten sich, ob die Band der Kommerzialisierung des Super Bowls zum Opfer gefallen sei oder bewusst auf Konfrontation verzichtete.

„Saviors“: Das politische Comeback – aber nicht beim Super Bowl

Erst 2024 hatte Green Day mit dem Album „Saviors“ eine Rückkehr zu ihren politischen Wurzeln gefeiert. Armstrong erklärte damals im Interview mit „102.1 The Edge“:

„Politische Songs brauchen Herz. Wenn man sie nur schreibt, weil man wütend ist, verliert man genau das – das Herz.“

Für „Saviors“ habe man bewusst den richtigen Moment abgewartet. Den Super Bowl 2026 scheint man hingegen nicht als geeignete Bühne für klare Botschaften gesehen zu haben.

Fazit: Green Day lieferte beim Super Bowl eine professionelle, aber entpolitisierte Performance. Für eine Band, die einst mit politischem Punk provozierte, ein bemerkenswerter Kurswechsel – zumindest für diesen Abend.

 

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