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Golfstaaten tragen Hauptlast der iranischen Angriffe

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Die Verbündeten der USA am Persischen Golf geraten zunehmend ins Visier iranischer Angriffe. Städte wie Abu Dhabi, Manama oder Dubai erleben derzeit Szenen, die in der Region bislang kaum vorstellbar waren: Raketenabwehr am Himmel, Sirenen in der Nacht und Einschläge in der Nähe ziviler Infrastruktur.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wurden bis Sonntagnachmittag 165 ballistische Raketen, zwei Marschflugkörper sowie 541 Drohnen aus dem Iran abgefangen oder „neutralisiert“. Auch in Bahrain berichteten Anwohner von heftigen Explosionen und Angriffen in der Nähe des Flughafens.

Ursprünglich hatte Teheran vor allem militärische Ziele ins Visier genommen, darunter das Hauptquartier der 5. US-Flotte in Bahrain. Inzwischen scheinen jedoch vermehrt auch Flughäfen und andere zivile Einrichtungen betroffen zu sein. Luxushotels, Einkaufszentren, Hochhäuser und moderne Flughafenterminals zählen zu den symbolträchtigen Zielen – Bauwerke, die nie für Angriffe mit Drohnen und ballistischen Raketen konzipiert wurden.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi wies Vorwürfe zurück, sein Land greife gezielt Nachbarstaaten an. Man richte sich gegen die militärische Präsenz der USA in diesen Ländern, sagte er dem Sender Al Jazeera. Beschwerden sollten daher an die „Entscheidungsträger dieses Krieges“ gerichtet werden.

Ein Teil der Schäden an ziviler Infrastruktur sei durch herabfallende Trümmer abgefangener Raketen entstanden. Doch die Häufung der Angriffe auf Flughäfen in Bahrain und den Emiraten deutet nach Einschätzung von Beobachtern auf gezieltere Attacken hin.

Teheran hatte im Vorfeld deutlich gemacht, im Falle eines Angriffs auf Länder zu reagieren, die es als Komplizen betrachte. Obwohl die Golfstaaten bemüht waren, sich nicht als direkte Beteiligte an der US-israelischen Offensive darstellen zu lassen, werden sie nun offenbar für ihre langjährige militärische Partnerschaft mit Washington in Mithaftung genommen.

Historisch verstand sich der Iran vor der Islamischen Revolution als „Polizist des Golfs“. Nach 1979 versuchte die Führung in Teheran mehrfach, die arabischen Nachbarn davon zu überzeugen, die USA als Sicherheitsgaranten zu verdrängen und stattdessen auf Iran zu setzen. Die konservativen Monarchien am Golf lehnten dies jedoch stets ab.

Saudi-Arabien und Oman kamen bislang vergleichsweise glimpflich davon. Oman, das gute Beziehungen zu Teheran unterhält und zuletzt Atomgespräche zwischen den USA und Iran vermittelt hatte, meldete einen Drohnenangriff auf den Handelshafen Duqm. Saudi-Arabien erklärte, Angriffe auf Riad und die Ostprovinz erfolgreich abgefangen zu haben, und verurteilte die Attacken scharf.

Zwar hatte es bereits in der Vergangenheit Angriffe gegeben – etwa 2019 auf saudische Aramco-Anlagen oder im vergangenen Jahr auf einen US-Stützpunkt in Katar. Doch das derzeitige Ausmaß übertrifft frühere Eskalationen deutlich.

Militärisch liegt das Kräfteverhältnis klar auf Seiten der USA und Israels. Beide verfügen über hochmoderne Streitkräfte und uneingeschränkte Lufthoheit. Zwei amerikanische Flugzeugträgerverbände mit mehr als 200 Kampfflugzeugen befinden sich in der Region. Der Iran hingegen verfügt angesichts jahrelanger Sanktionen über eine stark eingeschränkte Luftwaffe.

Dennoch besitzt Teheran weiterhin erhebliche Kapazitäten an Raketen und Drohnen. Während die USA und ihre Verbündeten versuchen, Abschussrampen und Lagerbestände zu zerstören, stellt sich für die iranischen Revolutionsgarden die Frage, ob sie ihre Ressourcen bündeln und ein großes Ziel – etwa ein US-Kriegsschiff – angreifen oder ihre Bestände strecken sollen, um den Konflikt in die Länge zu ziehen.

Dabei spielt auch die politische Dimension eine Rolle. Für die iranische Führung könnte bereits das bloße Überleben des Regimes als Erfolg gelten. Die Islamische Republik hat in ihrer Geschichte wiederholt gezeigt, dass sie wirtschaftliche und militärische Belastungen lange aushalten kann.

Eine mögliche Rückkehr zu Verhandlungen bleibt ungewiss. Washington fordert weiterhin Einschränkungen des iranischen Atomprogramms, ein Ende des Raketenprogramms sowie den Stopp der Unterstützung regionaler Milizen wie der Hisbollah, der Hamas und der Huthi-Rebellen. Teheran hatte zuletzt signalisiert, über das Atomprogramm sprechen zu wollen, lehnte jedoch Gespräche über Raketen und regionale Einflussnahme ab.

Ob es zu einem Waffenstillstand und neuen Gesprächen kommt oder die militärische Eskalation weitergeht, ist offen. Fest steht: Die Golfstaaten stehen derzeit im Zentrum eines Konflikts, dessen Ende nicht absehbar ist.

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