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Golfstaaten beraten über Reaktion auf israelischen Angriff auf Katar – Optionen begrenzt

geralt (CC0), Pixabay
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Nach dem israelischen Luftangriff auf ein Gebäude in Katars Hauptstadt Doha, in dem sich führende Mitglieder der Hamas aufhielten, ist die Region in Aufruhr. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wurde ein Golfstaat direkt Ziel einer Militäraktion durch einen anderen regionalen Akteur. Die politische Führung Katars sprach von einer „klaren Eskalation“ und kündigte eine gemeinsame Reaktion der Golfstaaten an. Doch trotz gemeinsamer Empörung ist der Handlungsspielraum der arabischen Staaten begrenzt.

Regionale Sicherheit ins Wanken geraten

Der Angriff auf Doha folgt nur wenige Monate nach einem iranischen Raketenbeschuss auf eine US-Militärbasis in Katar im Juni – eine Vergeltung für einen US-Angriff auf iranische Atomanlagen. Der Gaza-Krieg, der vor fast zwei Jahren begann, ist damit endgültig in den Herzen der Golfstaaten angekommen.

„Wir müssen jetzt Haltung zeigen, sonst sind bald andere Golfhauptstädte dran“, warnte der kuwaitische Politikwissenschaftler Bader Al-Saif.

Schnelle diplomatische Solidarität – aber wenig militärischer Spielraum

Der wohl sichtbarste Unterstützer Katars kam aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE): Präsident Mohammed bin Zayed Al Nahyan reiste unmittelbar nach dem Angriff nach Doha und bezeichnete die israelische Aktion als „feige und inakzeptabel“. Auch Bahrain und Oman signalisierten Bereitschaft zu enger Zusammenarbeit.

Doch militärische Optionen scheinen derzeit unrealistisch. Stattdessen setzen die Golfstaaten auf diplomatische und rechtliche Maßnahmen. Katars Premierminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani kündigte eine rechtliche Prüfung auf internationaler Ebene an und erreichte am Donnerstag eine einstimmige Verurteilung des Angriffs durch den UN-Sicherheitsrat.

Abkehr von den Abraham-Abkommen?

Beobachter halten es für möglich, dass die VAE als Teil der Reaktion die diplomatischen Beziehungen zu Israel herabstufen – oder sich zumindest temporär aus den Abraham-Abkommen zurückziehen. Diese von der Trump-Regierung vermittelten Normalisierungsverträge zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten standen schon vor dem Vorfall in der Kritik, insbesondere durch geplante israelische Annexionen im Westjordanland.

Sicherheitspartnerschaft mit den USA unter Druck

Trotz aller Rhetorik bleibt das Dilemma für viele Golfstaaten bestehen: Ihre nationale Sicherheit basiert auf der engen militärischen Partnerschaft mit den USA, deren Unterstützung im Ernstfall jedoch zunehmend als unzuverlässig empfunden wird – insbesondere angesichts der demonstrativen Nähe Washingtons zu Israel.

Abdulaziz Sager, Vorsitzender des Saudi-Arabischen Golf-Forschungszentrums, fordert deshalb eine Reform des bestehenden Sicherheitsbündnisses mit den USA: „Es reicht nicht, amerikanische Waffen zu kaufen. Wir brauchen klare Garantien und Rechenschaft, wenn diese fehlen.“

Auch die Idee einer verstärkten Aktivierung der „Peninsula Shield Force“, eines 1980 gegründeten kollektiven Verteidigungspakts der Golfstaaten, steht zur Diskussion. Bislang existiert die Truppe vor allem auf dem Papier.

Wirtschaftliche Hebel – Billionen in Bewegung

Analysten sehen in der strategischen Investitionspolitik der Golfstaaten ein mögliches Druckmittel. Mit ihren Souveränen Wohlstandsfonds, die mehrere Billionen Dollar verwalten, könnten Katar, Saudi-Arabien, die VAE und Kuwait gezielt Unternehmen mit Verbindungen zu Israel meiden oder Handelsbeziehungen einschränken.

„Das Geld, das in den nächsten zehn Jahren in die USA fließen sollte, ist nur dann sicher, wenn auch der Golf sicher ist“, betonte Al-Saif. „Fällt dieser Sicherheitsrahmen, kann das Kapital auch anderswo bessere Rendite finden – oder zur Verteidigung der Region eingesetzt werden.“

Fazit: Einheit als Ziel, aber Unsicherheit bleibt

Noch vor dem anstehenden arabisch-islamischen Sondergipfel in Doha wird klar: Die Golfstaaten wollen gemeinsam auftreten, aber ihre Optionen sind begrenzt – zwischen dem Wunsch nach regionaler Selbstbehauptung und der Abhängigkeit von internationalen Allianzen, insbesondere mit den USA.

Wie weit die arabischen Staaten bereit sind, ihre Beziehungen zu Israel und Washington zu belasten, wird sich nicht nur in Doha zeigen – sondern auch in den nächsten Schritten auf der globalen Bühne.

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