Nach einer monatelangen Rekordjagd kommt die Edelmetall-Rallye abrupt zum Stillstand: Gold verliert an einem Tag rund sieben Prozent – so viel wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.
Der Goldpreis ist am Dienstag massiv eingebrochen – und damit endet vorerst der Höhenflug, der Anlegern seit Wochen satte Gewinne bescherte. Zeitweise fiel der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold um rund sieben Prozent auf 4.085 US-Dollar – der stärkste Tagesverlust seit über zwölf Jahren. Noch am Vortag hatte Gold ein Allzeithoch bei 4.381,21 Dollar erreicht.
Auch Silber geriet stark unter Druck: Mit einem Tagesverlust von neun Prozent auf 47,85 Dollar droht dem Edelmetall der größte Rückgang seit fast fünf Jahren.
Anleger realisieren Gewinne – Aktien steigen
Viele Investoren nutzten die Gelegenheit, um nach der Kursrallye Gewinne mitzunehmen. „Einige der Sorgen, die die Märkte in der Vorwoche belastet hatten, sind etwas in den Hintergrund getreten“, sagt Richard Flax, Chefanlagestratege beim Vermögensverwalter Moneyfarm. Das führte dazu, dass Aktienmärkte wieder zulegten, während sichere Häfen wie Gold an Attraktivität verloren.
Zinswende und starker Dollar belasten Gold
Getrieben wurde der Preisanstieg bei Gold in den vergangenen Monaten durch eine Kombination aus geopolitischen Spannungen, hoher globaler Verschuldung und der Erwartung, dass wichtige Notenbanken wie die Fed oder die Bank of Japan bald wieder die Zinsen senken könnten.
Vor allem der sogenannte „Debasement Trade“ – die Wette auf eine langfristige Abwertung von Papierwährungen wie dem Dollar, Euro oder Yen – hatte Edelmetalle stark beflügelt. Seit Jahresbeginn war der Goldpreis um mehr als 60 Prozent gestiegen, bevor es nun zur scharfen Korrektur kam.
Ein weiterer Faktor: Der zuletzt stärkere US-Dollar macht Gold für Investoren außerhalb des Dollarraums teurer – was die Nachfrage bremst. ActivTrades-Analysten sehen hierin einen maßgeblichen Grund für den plötzlichen Preisverfall.
Kein nachhaltiger Trendbruch erwartet
Trotz des Rücksetzers gehen Marktbeobachter nicht davon aus, dass der langfristige Aufwärtstrend beim Goldpreis gebrochen ist. Angesichts der weiterhin eskalierenden Staatsverschuldung weltweit bleiben Gold und Silber für viele Anleger eine wichtige Absicherung gegen Währungsrisiken und wirtschaftliche Unsicherheiten.
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