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Geruch der Angst: Wie unterschiedlich Hunde auf menschlichen Angstschweiß reagieren

BiancaVanDijk (CC0), Pixabay
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Hunde können mehr als nur hören, sehen und bellen – sie erschnüffeln Gefühle. Dass unsere vierbeinigen Begleiter Emotionen wie Freude oder Angst bei Menschen erkennen können, gilt als gesichert. Doch eine neue Studie aus Österreich liefert nun überraschende Einblicke: Hunde können nicht nur Angst riechen – sie reagieren darauf sehr unterschiedlich.

Im Fachmagazin Frontiers in Veterinary Science veröffentlichten Forschende des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien jetzt ihre Ergebnisse. Im Zentrum stand dabei nicht der Mensch selbst, sondern sein Schweiß – genauer: der Angstschweiß.

Mensch nicht anwesend – nur der Geruch

Um die Reaktionen der Hunde möglichst unverfälscht zu erfassen, nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine ausgeklügelte Versuchsanordnung. Die teilnehmenden Hunde wurden mit Geruchsproben konfrontiert, ohne dass die jeweiligen Menschen, von denen diese stammten, anwesend waren. So sollte sichergestellt werden, dass allein der Geruch der Angst – und nicht Körpersprache oder Verhalten – die Reaktion der Tiere beeinflusst.

Frühere Studien hatten vermuten lassen, dass Hunde Angstgeruch generell meiden. Doch das aktuelle Experiment widerlegte diese Annahme in Teilen.

Zwischen Zurückhaltung und Neugier

Tatsächlich zeigte sich ein sehr differenziertes Bild: Einige Hunde reagierten wie erwartet mit Zurückhaltung. Sie senkten den Schwanz, zeigten Unbehagen oder zögerten, sich den Geruchsquellen zu nähern. Andere hingegen bewegten sich sogar schneller auf die Proben mit Angstschweiß zu als auf die neutralen.

„Es handelt sich offenbar nicht um eine angeborene, einheitliche Tendenz zur Vermeidung von Angstgeruch beim Menschen“, so die Erstautorin der Studie, Svenja Capitain. Vielmehr scheinen verschiedene Faktoren – etwa frühere Erfahrungen, Erziehung oder sogar die Rasse – Einfluss auf das Verhalten zu nehmen.

Die Studie öffnet damit neue Perspektiven auf das komplexe Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund – insbesondere im Bereich der emotionalen Kommunikation über Geruch.

Bedeutung für Therapie- und Assistenzhunde?

Die Erkenntnisse könnten auch für die Ausbildung von Therapie- oder Assistenzhunden relevant sein. Wenn Hunde auf menschliche Angst so unterschiedlich reagieren, könnten gezielte Trainingsmethoden helfen, geeignete Tiere besser zu erkennen und auszubilden.

Was bleibt, ist eine faszinierende Erkenntnis: Unsere Vierbeiner riechen nicht nur unsere Emotionen – sie interpretieren sie auf ganz individuelle Weise.

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