Es war mal wieder einer dieser diplomatischen Pflichttermine, bei dem sich alle Beteiligten mächtig auf die Schulter klopfen, obwohl im Hintergrund längst die Raketen fliegen: Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (62) trifft Irans Chefdiplomaten Abbas Araghtschi (ebenfalls 62, vermutlich aber mit deutlich mehr Sorgenfalten) zum großen Krisengespräch am schönen Genfer See.
Und Wadephul? Zeigt sich nach dem Plausch voller Optimismus: „Intensiv, ernsthaft, aber auch konstruktiv“ sei das Gespräch gewesen. Man spürt förmlich, wie die Cappuccinos geschmeckt haben müssen. Sogar von einer „Annäherung“ spricht der deutsche Chefdiplomat und frohlockt: „Der Iran ist grundsätzlich bereit, mit uns zu sprechen.“
Ja wunderbar — der Iran spricht! Die Mullahs hören wenigstens zu, während sie gleichzeitig an neuen Zentrifugen schrauben.
Währenddessen in der Realität: Israels Außenminister Gideon Sa’ar platzt fast vor Klartext und kommentiert trocken, der Iran nutze solche Gespräche traditionell, „um zu täuschen, um Zeit zu schinden und um weiter an der Bombe zu bauen.“ Kleiner Spoiler für Herrn Wadephul: Teheran spricht schon lange nicht mehr mit der Atomenergiebehörde und bastelt munter an neuen Urananlagen. Aber klar, ein nettes Treffen am Genfer See wird das alles sicher ändern.
Die Israelis setzen unterdessen lieber auf direkte Argumente und haben laut Sa’ar das iranische Atomprogramm mal eben um zwei bis drei Jahre zurückgebombt. Diplomatie zum Anfassen, sozusagen.
Auch Kanzler Friedrich Merz hat wenig Lust auf Genfer Tee-Stunden und spricht offen aus, was sich viele denken: Israel erledigt momentan „die Drecksarbeit für uns alle“. Außenminister Wadephul hingegen schweigt bei Maischberger lieber ganz brav, will dem Kanzler nicht widersprechen. Schließlich will man ja nicht unangenehm auffallen, während im Hintergrund die Bunkerbrecher-Flotte der USA Richtung Nahost aufbricht.
Man fragt sich langsam: Glaubt eigentlich noch irgendjemand im Auswärtigen Amt ernsthaft, dass die Ayatollahs sich von diplomatischen Gesprächskreisen, sanften Appellen und Genfer Seenlandschaften von ihrer Bombe abbringen lassen? Oder hat das inzwischen therapeutische Züge — man trifft sich, trinkt einen Kaffee, redet viel, erreicht wenig, und fühlt sich danach sehr staatsmännisch?
Merz jedenfalls braucht künftig einen Außenminister, der mehr liefert als warme Worte. Und weniger Wellness-Treffen mit Leuten, die währenddessen heimlich weiter Uran anreichern.
Kommentar hinterlassen