Während viele Menschen das neue Jahr mit „Dry January“ beginnen – einem Monat ohne Alkohol – geht eine ganze Generation noch weiter: Viele junge Erwachsene aus der Generation Z verzichten ganz bewusst und langfristig auf Alkohol.
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup ging der Anteil der 18- bis 34-Jährigen, die in der Woche vor der Befragung Alkohol konsumierten, zwischen 2001 und 2023 um 11 Prozent zurück. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für ein nüchternes Leben – nicht nur für 30 Tage, sondern dauerhaft.
Gesundheit im Fokus
Ein Hauptgrund für diese Entwicklung ist das gestiegene Gesundheitsbewusstsein. Laut einer Studie von McKinsey & Company aus dem Jahr 2024 betrachten 56 % der Gen Z ihre Fitness als „sehr hohe Priorität“ – deutlich mehr als andere Altersgruppen. Auch das Thema psychische Gesundheit spielt eine zentrale Rolle: Viele junge Erwachsene gehen regelmäßig zur Therapie und setzen auf Achtsamkeit und Selbstfürsorge.
Cierra Boone (25) aus Missouri ist seit fast drei Jahren abstinent. Sie sagt, sie habe früher getrunken, um zu entfliehen – heute fühle sie sich durch die Abstinenz „näher bei Gott“ und stabiler im Alltag. Der Verzicht habe ihr geholfen, alte Beziehungen zu reparieren und sich selbst besser zu verstehen.
Soziale Medien verändern das Freizeitverhalten
Die Art, wie sich junge Menschen treffen, hat sich verändert – auch durch die Digitalisierung. Treffen finden heute oft virtuell statt, Alkohol spielt dabei kaum eine Rolle. Während Partys früher um ein Bierfass kreisten, ist das heute längst nicht mehr Standard.
Studien belegen diesen Trend: 1991 gaben noch 64,4 % der US-amerikanischen Abiturienten an, mindestens einmal betrunken gewesen zu sein. 2024 waren es nur noch 33 %. Der Wendepunkt? Etwa 2012 – das Jahr, in dem Smartphones zur Selbstverständlichkeit wurden.
Weniger Stigma, mehr Akzeptanz
Auch das gesellschaftliche Klima gegenüber Nüchternheit hat sich verändert. Wer heute keinen Alkohol trinkt, muss sich kaum noch rechtfertigen. „Es ist ein bisschen wie mit dem Rauchen“, sagt Dr. Jared Harp, Suchtpsychiater an der Cleveland Clinic. „Die meisten verstehen inzwischen, dass Alkohol auch gesundheitliche Risiken birgt.“
Finanzielle Gründe und hohe Preise
Auch wirtschaftliche Gründe spielen eine Rolle: Alkohol ist teuer. Laut einer Studie der Bank of America aus dem Jahr 2025 machen sich 33 % der Gen Z Sorgen um ihre finanzielle Zukunft, viele kürzen deshalb Ausgaben – auch für Alkohol. Ex-Barkeeperin Guinevere Goodwin (27) berichtet, sie habe monatlich bis zu 200 Dollar für Wein und Ausgehen ausgegeben – ein Betrag, den sie sich inzwischen lieber spart.
Cannabis als Alternative
Die Legalisierung von Marihuana in vielen US-Bundesstaaten trägt ebenfalls zum Rückgang des Alkoholkonsums bei. Laut einer Umfrage von New Frontier Data aus dem Jahr 2022 bevorzugen 69 % der 18- bis 24-Jährigen Cannabis gegenüber Alkohol. Boone sagt, Cannabis habe ihr geholfen, die Trennung vom Alkohol leichter zu bewältigen.
Binge Drinking bleibt ein Problem
Trotz des generellen Rückgangs: Das sogenannte „Binge Drinking“ – also der Konsum großer Mengen Alkohol in kurzer Zeit – bleibt unter jungen Erwachsenen verbreitet. Laut der nationalen US-Umfrage zu Drogenkonsum (2024) gaben 21,7 % der Erwachsenen an, im letzten Monat mindestens einmal exzessiv getrunken zu haben.
Dry January als Selbsttest
Für alle, die über ihren Alkoholkonsum nachdenken, bietet „Dry January“ einen guten Einstieg. Suchtmediziner Volpicelli empfiehlt, den Monat als Experiment zu sehen: „Nicht Perfektion ist das Ziel, sondern Erkenntnis.“ Wer Schwierigkeiten hat, den Konsum einzuschränken, sollte professionelle Hilfe suchen.
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