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Geheime Botschaften aus dem Gefängnis: Wie venezolanische Häftlinge Nachrichten schmuggelten

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In einer kleinen Wohnung nahe Caracas hält Adriana Briceño eine alte Schokoladenverpackung in der Hand. Für Außenstehende wirkt sie wie Müll – doch auf der Innenseite steht eine Botschaft ihres Sohnes an seinen Vater Ángel Godoy, der damals im berüchtigten Gefängnis El Helicoide inhaftiert war.

„Papa, nimm das, um alles ein bisschen zu versüßen. Wir lieben dich“, steht dort mit blauer Tinte geschrieben.

Ein Gefängnis mit düsterem Ruf

El Helicoide wurde ursprünglich in den 1950er-Jahren als luxuriöses Einkaufszentrum geplant, aber nie fertiggestellt. Später übernahmen Venezuelas Geheimdienste das Gebäude und nutzten es als Gefängnis.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Ort zu einem Symbol staatlicher Repression. Untersuchungen der Vereinten Nationen berichten von willkürlichen Verhaftungen, Verschwindenlassen von Personen und sogar Folter.

Hunderte politische Gefangene wurden dort unter der Regierung von Präsident Nicolás Maduro festgehalten – teilweise über viele Jahre.

Brutale Haftbedingungen

Der Menschenrechtsaktivist Javier Tarazona verbrachte 1.675 Tage in Haft. Nach seiner Festnahme im Juli 2021 wurde er in eine winzige Strafzelle gebracht, die von Ratten und Kakerlaken befallen war und stark stank.

Tarazona wurde zusammen mit seinem Bruder festgehalten. Der Raum war so klein, dass sie sich beim Hinlegen abwechseln mussten. Als Matratze nutzten sie ein Stück Karton über einem Abflussloch.

Die Gefangenen konnten kein Tageslicht sehen und wussten oft nicht, ob es Tag oder Nacht war. Mahlzeiten wurden absichtlich zu unterschiedlichen Zeiten gebracht, um ihr Zeitgefühl zu zerstören.

Isolation und Druck auf Familien

Für Ángel Godoy war die schlimmste Erfahrung nicht die Zelle, sondern die Isolation von seiner Familie. Nach seiner Verhaftung hatte er 96 Tage lang keinen Kontakt zu seinen Angehörigen.

Seine Frau Adriana verlor nach seiner Festnahme auch ihre Arbeit bei einem staatlichen Telekommunikationsunternehmen. Aus Angst zog sie mit ihrem Sohn sogar um.

Auch andere Gefangene berichten von Druck auf ihre Familien. Tarazona erzählte, dass Ermittler ihm ein Foto seiner 70-jährigen Mutter zeigten und drohten, sie ins Gefängnis zu bringen, wenn er nicht ein belastendes Video gegen andere Aktivisten aufnehme.

Botschaften über Schokolade und Wäsche

Trotz der strengen Überwachung fanden Familien Wege, miteinander zu kommunizieren.

  • Nachrichten an die Gefangenen wurden in Schokoladenverpackungen versteckt.

  • Antworten wurden von den Häftlingen auf schmutzige Kleidung geschrieben, die später aus dem Gefängnis herausgeschmuggelt wurde.

Eine solche Botschaft schrieb Godoy auf ein altes T-Shirt:

„Adriana, du bist die schönste Frau der Welt.“

An seinen Sohn schrieb er:
„Streng dich in der Schule an und gib dein Bestes.“

Diese geheimen Nachrichten wurden für viele Gefangene zu einer emotionalen Verbindung zur Außenwelt.

Zukunft von El Helicoide

Nach einer US-Militäroperation gegen Präsident Maduro Anfang des Jahres wurden mehr als 600 politische Gefangene freigelassen, doch laut Menschenrechtsorganisationen sitzen noch immer viele Menschen in Haft.

Die venezolanische Regierung kündigte an, El Helicoide künftig in ein soziales und kulturelles Zentrum umzuwandeln. Kritiker sehen darin jedoch einen Versuch, die dunkle Vergangenheit des Ortes zu überdecken.

Trotz seiner Erfahrungen ruft Tarazona zu Versöhnung auf. Auch Godoy hofft, dass Venezuela eines Tages ohne Hass und politische Spaltung wieder zusammenfinden kann.

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