Immer häufiger werden Drohnen zum Risiko für den Luftverkehr: Laut einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben illegale oder unkontrollierte Drohnenflüge im Jahr 2024 an deutschen Flughäfen Schäden in Höhe von rund einer halben Million Euro verursacht. Neben finanziellen Verlusten stellen die Vorfälle auch ein wachsendes Sicherheitsproblem für Passagiere, Piloten und Flughafenpersonal dar.
118 Zwischenfälle, neunmal kompletter Flugstopp
Insgesamt zählten die Forscher des DLR im vergangenen Jahr 118 dokumentierte Störfälle mit Drohnen, die in kontrollierten Luftraum eindrangen oder zu nah an Flughäfen operierten. In neun Fällen mussten die betroffenen Flughäfen den Betrieb vollständig einstellen – teilweise über Stunden hinweg.
Flugzeuge durften nicht starten oder landen, Passagiere saßen fest, und die Airlines mussten Umleitungen organisieren. Der wirtschaftliche Schaden summierte sich laut Studie auf rund 500.000 Euro, verursacht durch Ausfälle, Sicherheitsmaßnahmen und Verspätungen.
Sicherheitsrisiko mit wachsender Tendenz
Drohnen gelten in der Luftfahrt als potenzielle Gefahr, weil sie Triebwerke beschädigen, Sichtflugbedingungen beeinträchtigen oder im schlimmsten Fall einen Zusammenstoß verursachen könnten. Das DLR warnt in seinem Bericht, dass die Zahl solcher Zwischenfälle in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen habe.
Besonders problematisch sei, dass viele Vorfälle auf Freizeitnutzer ohne Fluglizenz oder ausreichendes technisches Wissen zurückzuführen sind. Oft wüssten die Betreiber nicht, dass sie sich in einer Sicherheitszone befinden – oder ignorieren die Vorschriften bewusst.
Jeder Flugstopp kostet Tausende Euro pro Minute
„Bereits wenige Minuten Stillstand an einem großen Flughafen wie Frankfurt oder München können enorme wirtschaftliche Folgen haben“, heißt es in der Analyse. Verspätungen und Umleitungen lösen eine Kostenlawine in Millionenhöhe aus – von zusätzlichen Treibstoff- und Personalkosten über Hotelübernachtungen bis hin zu Entschädigungszahlungen an Fluggäste.
Forderung nach härteren Maßnahmen und mehr Aufklärung
Das DLR fordert in seiner Untersuchung, den Einsatz von Drohnen in der Nähe von Flughäfen strenger zu kontrollieren und technische Systeme zur Erkennung und Abwehr unerlaubter Fluggeräte flächendeckend einzusetzen.
Zudem müsse die Bevölkerung besser über die gesetzlichen Regelungen aufgeklärt werden. In Deutschland dürfen Drohnen grundsätzlich nur in Sichtweite und außerhalb von Flugverbotszonen betrieben werden. Für Flüge in der Nähe von Flughäfen, Menschenmengen oder sensiblen Einrichtungen ist eine explizite Genehmigung erforderlich.
Blick in die Zukunft
Mit dem wachsenden Markt für private und kommerzielle Drohnennutzung rechnen Experten mit einem weiteren Anstieg solcher Vorfälle. Gleichzeitig entstehen immer mehr Konzepte für den sicheren Einsatz von Liefer- und Überwachungsdrohnen, was die Herausforderungen für die Luftaufsicht zusätzlich vergrößert.
Das DLR mahnt: Ohne konsequente Kontrollen, technische Schutzsysteme und Aufklärung könne die Drohnengefahr über deutschen Flughäfen in den kommenden Jahren zu einem ernsten Problem werden – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für die Sicherheit im Luftraum.
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