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Gefährlicher denn je: Wie Künstliche Intelligenz den Enkeltrick perfektioniert – und wie du dich schützen kannst

sabinevanerp (CC0), Pixabay
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Eine bekannte Betrugsmasche erlebt dank moderner Technik eine beunruhigende Renaissance: der Enkeltrick. Was früher mit einfachen Anrufen und gefälschten SMS begann, hat sich heute zu einer raffinierten Form des digitalen Identitätsbetrugs entwickelt – ermöglicht durch künstliche Intelligenz (KI). Betrüger imitieren Stimmen täuschend echt und schaffen es so, selbst skeptische Menschen in die Falle zu locken.

Vom Schockanruf zum Stimmenbetrug

Der klassische Enkeltrick ist vielen bekannt: Eine angebliche Verwandte oder ein vermeintlicher Enkel meldet sich plötzlich mit einer neuen Nummer und bittet verzweifelt um Geld – wegen eines Unfalls, einer Notlage oder angeblicher Schulden. Oft geschieht das über WhatsApp oder SMS, manchmal auch telefonisch.

Doch nun kommt eine neue Dimension hinzu: Mit Hilfe von KI-gestützten Programmen können Betrüger Stimmen klonen – und so täuschend echt nachmachen, dass selbst Angehörige kaum einen Unterschied bemerken. Schon wenige Sekunden Tonmaterial aus einem Social-Media-Video reichen aus, um ein digitales Stimmprofil zu erstellen. Damit wird aus einem einfachen Betrugsversuch eine perfide, emotional manipulierte Täuschung.

„Wenn plötzlich die echte Stimme des Enkels am Telefon ist, fällt die Skepsis oft sofort“, erklärt Kriminalanalyst Mark Thorben Hofmann im Gespräch mit dem Magazin Stern.

Warum KI die Masche so gefährlich macht

Früher scheiterten viele Betrüger daran, glaubwürdig zu klingen. Dialekt, Betonung oder Sprachmuster verrieten oft, dass etwas nicht stimmte. Diese Schwächen gleicht die künstliche Intelligenz heute mühelos aus.

Mit sogenannten Deepfake-Technologien lassen sich nicht nur Stimmen imitieren, sondern ganze Dialoge synthetisch erzeugen. Betrüger können also in Echtzeit sprechen – mit dem Tonfall, der Stimme und den Pausen des echten Familienmitglieds.

Das macht den Betrug emotional noch überzeugender: Angst, Sorge und Panik überlagern rationales Denken, und Betroffene überweisen Geld, bevor sie überhaupt nachdenken. Besonders ältere Menschen geraten so in eine psychologische Zwickmühle – sie hören die Stimme eines geliebten Menschen und wollen sofort helfen.

So erkennst du, ob eine Stimme „geklont“ wurde

  1. Ungewohnte Anrufe mit Druck: Wenn angebliche Angehörige plötzlich unter einer neuen Nummer anrufen und sofort Geld fordern, ist Vorsicht geboten.

  2. Stimmverzögerungen und unnatürliche Betonung: KI-Stimmen klingen oft leicht „metallisch“ oder reagieren mit minimaler Zeitverzögerung.

  3. Rückruf verweigert: Wenn die Person angeblich nicht erreichbar ist oder Rückrufe vermeidet, ist das ein Warnsignal.

  4. Sicherheitsfrage stellen: Frage etwas, das nur der echte Angehörige wissen kann – z. B. den Namen des Haustiers oder ein Familienereignis.

  5. Immer eine zweite Meinung einholen: Im Zweifel eine andere vertraute Person anrufen, bevor Geld überwiesen wird.


Polizei und Verbraucherschützer warnen

Die Polizei beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Die Kombination aus Emotion, Technik und Leichtgläubigkeit mache den neuen Enkeltrick besonders effektiv. „Wir sehen eine wachsende Zahl von Fällen, in denen KI-Stimmen genutzt werden, um Vertrauen zu erschleichen“, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Auch Verbraucherschützer fordern Aufklärung – vor allem über die Verfügbarkeit persönlicher Daten und Tonaufnahmen im Internet. Jede öffentlich gepostete Sprachnachricht, jedes Video auf TikTok oder Instagram kann potenziell als Quelle für Stimmenklau dienen.

So schützt du dich und deine Familie

  • Sensible Daten schützen: Keine Sprachnachrichten oder Videos mit klarer Stimme öffentlich teilen.

  • Klare Familienregel: Niemals Geld überweisen, ohne persönlich oder über bekannte Wege Rücksprache zu halten.

  • Misstrauen bei Geldforderungen: Behörden, Banken oder Familienmitglieder fordern niemals per Telefon oder Messenger sofortige Zahlungen.

  • Anzeige erstatten: Im Verdachtsfall sofort die Polizei informieren – auch bei gescheiterten Betrugsversuchen.

Fazit

Der Enkeltrick war schon immer perfide – doch mit künstlicher Intelligenz wird er zur echten Gefahr. KI macht aus alten Maschen neue Waffen. Wer sich schützen will, braucht Aufklärung, Aufmerksamkeit und klare Kommunikationsregeln innerhalb der Familie.

Denn wenn plötzlich die vertraute Stimme ruft und um Hilfe bittet, ist eines entscheidend: erst prüfen – dann handeln.

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