Fünf Jahre nach der Ermordung von Sarah Everard hat der Chef der Londoner Metropolitan Police, Sir Mark Rowley, eingeräumt, dass das Vertrauen vieler Frauen in die Polizei weiterhin erschüttert ist.
Everard war im März 2021 auf dem Heimweg in Südlondon von dem damals aktiven Polizeibeamten Wayne Couzens entführt, vergewaltigt und ermordet worden. Der Fall löste landesweit Entsetzen aus und führte zu massiver Kritik an der Met Police. Couzens wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt.
Sir Mark Rowley erklärte nun, er könne nachvollziehen, warum manche Frauen der Polizei nicht vertrauten. Mehrere „abscheuliche Fälle“ von Polizeibeamten, die schwere Straftaten gegen Frauen begangen hätten, hätten das Vertrauen nachhaltig beschädigt.
1.500 Mitarbeitende seit 2022 entfernt
Seit seinem Amtsantritt im September 2022 seien rund 1.500 Personen aus der Organisation entfernt worden. Viele davon wegen unangemessenen oder sexuellen Fehlverhaltens gegenüber Frauen. Allein im Jahr 2024/25 wurden laut offiziellen Angaben 28 Mitarbeitende wegen sexuellen Fehlverhaltens entlassen. Weitere 39 hätten ebenfalls ihren Posten verloren, wären sie nicht zuvor zurückgetreten oder in den Ruhestand gegangen.
Rowley betonte, man unternehme alles, um Personen mit einem Risiko für Frauen und Kinder gar nicht erst in die Organisation aufzunehmen oder frühzeitig auszusondern. Dennoch räumte er ein, dass es Zeit brauche, das Vertrauen wiederherzustellen.
Strukturelle Probleme in der Vergangenheit
Eine unabhängige Untersuchung unter Leitung von Baroness Casey hatte 2023 institutionellen Rassismus, Misogynie und Homophobie innerhalb der Met Police festgestellt. Hunderte Beamte mit Vorwürfen wegen Fehlverhaltens – darunter auch sexueller Straftaten – seien zuvor nicht entlassen worden.
Ein interner Bericht vom Januar zeigte zudem, dass zwischen 2013 und 2023 die Überprüfung von Bewerbern und Mitarbeitenden deutlich abgesenkt worden war. Über 5.000 Personen seien nicht ordnungsgemäß überprüft worden, zehntausende Referenzen seien nicht oder nur unzureichend kontrolliert worden.
Frauenorganisationen bleiben skeptisch
Frauenrechtsorganisationen äußern weiterhin Zweifel an einem echten Kulturwandel. Gemma Sherrington von der Organisation Refuge spricht von einer „Vertrauenskrise“. Farah Nazeer von Women’s Aid betont, es brauche eine grundlegende Veränderung der Haltung gegenüber Frauen innerhalb der Polizei.
Eine Studie der unabhängigen Beauftragten für häusliche Gewalt ergab, dass nur etwa vier Prozent der Polizeibeamten, denen Gewalt gegen Frauen und Mädchen vorgeworfen wurde, tatsächlich entlassen wurden.
Regierung verspricht Reformen
Die britische Regierung kündigte an, Gewalt gegen Frauen und Mädchen innerhalb der nächsten zehn Jahre halbieren zu wollen. Eine neue nationale Einrichtung mit einem Budget von 13,1 Millionen Pfund soll die polizeiliche Reaktion auf entsprechende Straftaten verbessern.
Sir Mark Rowley erklärte abschließend, eine Organisation mit 40.000 Beschäftigten werde nie perfekt sein. Man sei jedoch entschlossen, Integrität und Standards konsequent zu sichern – von der Einstellung neuer Kräfte bis zur konsequenten Verfolgung von Fehlverhalten.
Ob dies ausreicht, um das Vertrauen vieler Frauen nachhaltig zurückzugewinnen, bleibt offen.
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