Seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump hat sich die US-Einwanderungspolitik deutlich verschärft. Besonders auffällig ist der massive Ausbau der Abschiebehaft durch die Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement). Sowohl die Zahl der Inhaftierten als auch die Anzahl der Haftanstalten ist stark gestiegen.
Rekordzahl an Inhaftierten
Im Jahr 2025 leitete Trump seine angekündigte Politik der „Massenabschiebungen“ mit mehreren präsidentiellen Erlassen ein. Diese zielten auf eine strengere Durchsetzung des Einwanderungsrechts und eine Ausweitung der Inhaftierungspraxis ab. Infolgedessen nahmen Festnahmen von Migrantinnen und Migranten stark zu, während Abschiebungen langsamer erfolgten. Das führte dazu, dass mehr Menschen länger in Haft bleiben.
Am 7. Januar 2026 befanden sich fast 69.000 Menschen in ICE-Haftpraxen. Zum Vergleich: Anfang Januar 2025 waren es weniger als 38.000. Laut einem Bericht des American Immigration Council tragen insbesondere Trumps Anweisungen zur Maximierung der Haft sowie zur Einschränkung von Freilassungen auf Kaution zu diesem Anstieg bei.
Deutlich mehr Haftzentren
ICE nutzt unterschiedliche Formen der Unterbringung: private Abschiebegefängnisse, provisorische Zeltlager auf Militärbasen sowie Kreis- und Staatsgefängnisse. Die Zahl dieser Einrichtungen hat sich 2025 nahezu verdoppelt – von 107 Anfang des Jahres auf rund 212 zum Jahresende. Hinzu kamen neue Standorte wie temporäre Lager auf Militärgelände oder großflächige Einrichtungen, die von einzelnen Bundesstaaten betrieben werden. Die Regierung erwägt zudem, Lagerhallen in Haftzentren umzuwandeln.
Starker Anstieg von Inhaftierten ohne Vorstrafen
Besonders auffällig ist der Anstieg von Menschen ohne jegliche Vorstrafen in ICE-Haft. Der American Immigration Council dokumentiert einen Zuwachs von 2.450 % in dieser Gruppe. Forschende betonen, dass der jüngste Anstieg der Inhaftiertenzahlen fast ausschließlich auf Personen ohne kriminellen Hintergrund zurückzuführen ist. Die Regierung stuft inzwischen auch irreguläre Grenzübertritte pauschal als kriminell ein.
Mehr Todesfälle in Haft
Mit der steigenden Zahl der Inhaftierten nimmt auch die Zahl der Todesfälle in Abschiebehaft zu. Für das Jahr 2025 wurden je nach Quelle zwischen 15 und über 30 Todesfälle gemeldet. Berichte weisen darauf hin, dass mangelhafte medizinische und psychische Versorgung in den Einrichtungen ein langjähriges Problem darstellt. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 kam zu dem Ergebnis, dass die große Mehrheit der Todesfälle vermeidbar gewesen wäre.
Massive Finanzierung des Haftausbaus
Der US-Kongress bewilligte zusätzlich 45 Milliarden US-Dollar für den Ausbau der ICE-Haft, zusätzlich zu einem bestehenden Budget von 4 Milliarden. Damit verfügt ICE über einen Jahresetat von fast 15 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie das Bundesgefängnissystem. Nach Berechnungen könnten so Haftplätze für bis zu 135.000 Menschen geschaffen werden. Eine derart umfangreiche Inhaftierung außerhalb des Strafrechtssystems gab es zuletzt während des Zweiten Weltkriegs.
Befürworter der Maßnahme argumentieren, das zusätzliche Geld sei notwendig, um Verfahren zu beschleunigen und Freilassungen aufgrund von Platzmangel zu vermeiden.
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