Mit den Vorwahlen am 3. März in Arkansas, North Carolina und Texas haben die USA offiziell die Zwischenwahlen 2026 eingeläutet. Der Wahlabend war geprägt von Überraschungen, Unsicherheiten und teilweise chaotischen Abläufen. Die Wahlen gelten als erster großer Stimmungstest nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus.
Besonders im Fokus stand Texas, wo die parteiinternen Vorwahlen für den US-Senat insgesamt rund 110 Millionen Dollar verschlangen – ein Rekordwert.
Hier die wichtigsten Entwicklungen:
1. Wahlchaos überschattet demokratisches Duell in Texas
Im demokratischen Senatsrennen in Texas lieferten sich die Kongressabgeordnete Jasmine Crockett und der Abgeordnete des Bundesstaates James Talarico ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen. Rund 1,4 Millionen Menschen beteiligten sich an der Vorwahl.
Erste Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Talarico insbesondere in hispanisch geprägten Regionen stark abschnitt. Doch die Auszählung wurde von organisatorischen Problemen überschattet.
In zwei großen Bezirken – darunter Dallas, Crocketts Heimat – durften Wähler diesmal nicht wie bisher flexibel in jedem Wahllokal ihres Bezirks abstimmen, sondern nur in ihrem zugewiesenen Wahlbezirk. Zahlreiche Wähler wurden offenbar abgewiesen.
Ein Richter verlängerte daraufhin die Abstimmungszeit um zwei Stunden. Der Oberste Gerichtshof von Texas entschied jedoch später auf Antrag von Generalstaatsanwalt Ken Paxton, dass die nach dem ursprünglichen Wahlschluss abgegebenen Stimmen separat behandelt werden müssen.
Ob und wann diese Stimmen gezählt werden, war zunächst unklar. Crockett kündigte rechtliche Schritte wegen möglicher Wählerbenachteiligung an und erklärte, es werde voraussichtlich keine endgültigen Ergebnisse am Wahlabend geben.
2. Republikaner: Cornyn und Paxton müssen in die Stichwahl
Auch bei den Republikanern in Texas kam es zu einem harten Schlagabtausch. Der langjährige Senator John Cornyn verteidigte seinen Sitz gegen zwei Herausforderer aus dem stärker rechtsgerichteten Lager: Ken Paxton und Wesley Hunt.
Wie erwartet erreichte keiner der Kandidaten die erforderlichen 50 Prozent. Damit kommt es am 26. Mai zu einer Stichwahl zwischen Cornyn und Paxton.
Cornyn, unterstützt von der republikanischen Senatsführung, griff Paxton scharf an und thematisierte dessen frühere Korruptionsvorwürfe und private Skandale. Paxton hingegen setzte auf seine Nähe zu Trump und seine Klagen gegen die Biden-Regierung.
Entscheidend könnte nun sein, ob Donald Trump vor der Stichwahl eine Wahlempfehlung ausspricht. Bisher hat er sich nicht festgelegt.
3. Überraschung: Dan Crenshaw liegt deutlich zurück
Eine der größten Überraschungen des Abends war das Abschneiden von Dan Crenshaw, einem republikanischen Kongressabgeordneten aus Texas, der lange als aufstrebender Star der Partei galt.
Crenshaw, Kriegsveteran mit markanter Augenklappe, hatte sich in der Vergangenheit unter anderem für Militärhilfe für die Ukraine ausgesprochen und 2020 die Wahlergebnisse bestätigt – Positionen, die ihm Kritik aus dem Trump-Lager einbrachten.
In seinem neu zugeschnittenen Wahlbezirk lag er deutlich hinter seinem Herausforderer Steve Toth, der von Senator Ted Cruz unterstützt wurde. Bei rund 60 Prozent ausgezählter Stimmen führte Toth klar.
4. Generationenwechsel bei den Demokraten?
Das Alter von Politikern war bereits 2024 ein großes Thema. Auch 2026 zeichnet sich bei den Demokraten ein Generationskonflikt ab.
In einem neu zugeschnittenen texanischen Wahlkreis trat der 79-jährige Abgeordnete Al Green gegen den 37-jährigen Christian Menefee an. Mit rund 70 Prozent ausgezählter Stimmen lag Menefee knapp vorne.
Das Rennen könnte ein Signal dafür sein, dass ein Teil der Wählerschaft einen Generationswechsel in der Partei wünscht.
5. North Carolina wird Schlüsselstaat im Senatskampf
In North Carolina nimmt das Rennen um einen offenen Senatssitz Gestalt an. Der republikanische Senator Thom Tillis tritt nicht mehr an.
Die Demokraten schicken den früheren Gouverneur Roy Cooper ins Rennen, der sich in der Vorwahl klar durchsetzte. Er trifft im November auf den Republikaner Michael Whatley, einen engen Trump-Vertrauten und früheren Parteivorsitzenden.
North Carolina gilt als klassischer „Swing State“. Trump gewann dort 2024 knapp. Für die Demokraten ist der Bundesstaat ein zentraler Baustein, wenn sie die republikanische Mehrheit im Senat brechen wollen – was allerdings eine nahezu perfekte Wahlnacht im November erfordern würde.
Fazit
Der Auftakt der Vorwahlen 2026 zeigt: Beide Parteien stehen vor internen Machtkämpfen, Generationsfragen und strategischen Grundsatzentscheidungen. Gleichzeitig bleibt Donald Trump ein entscheidender Faktor – selbst dort, wo er noch keine offizielle Wahlempfehlung abgegeben hat.
Die nächsten Wochen, insbesondere die Stichwahl in Texas, dürften richtungsweisend für die Dynamik der Zwischenwahlen sein.
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