Obwohl der nächste US-Präsidentschaftswahlkampf offiziell erst in gut eineinhalb Jahren beginnt, ist das Kandidatenkarussell bei den Demokraten bereits in Bewegung geraten. Der Ausstieg von Kamala Harris aus dem kalifornischen Gouverneursrennen 2026 hat Spekulationen über eine erneute Präsidentschaftskandidatur der früheren Vizepräsidentin weiter angeheizt. Und sie ist nicht allein: Gouverneure, Senatoren und andere ambitionierte Parteimitglieder platzieren sich bereits – teils offen, teils subtil – für die Nachfolge von Präsident Biden im Jahr 2028.
Harris lässt die Tür weit offen
Kamala Harris vermeidet es derzeit, ihre Absichten klar zu benennen, doch ihre jüngsten Aussagen lassen Spielraum: In einer Talkshow betonte sie, sie wolle zuhören und nicht um Stimmen werben – „noch nicht“. Dass sie in Zukunft „mehr Details“ zu ihren Plänen veröffentlichen werde, verstehen viele politische Beobachter als klares Signal: Die Tür zur Präsidentschaft steht offen.
Ein überfülltes Bewerberfeld
Neben Harris positionieren sich unter anderem Gavin Newsom (Kalifornien), Andy Beshear (Kentucky), Ruben Gallego (Arizona), Pete Buttigieg, Ro Khanna (Kalifornien) und Wes Moore (Maryland). Sie alle reisen bereits in frühe Vorwahlstaaten wie Iowa oder New Hampshire, führen Podcasts, veröffentlichen Bücher oder sammeln strategisch Wahlkampfspenden.
Dabei tritt deutlich zutage, wie gespalten und orientierungslos die Demokratische Partei derzeit ist. Die Zustimmung zur Partei liegt laut aktuellen Umfragen auf einem Tiefstand wie zuletzt Anfang der 1990er-Jahre.
Progressive gegen Parteiestablishment
Der linke Flügel – vertreten durch Persönlichkeiten wie Jamaal Bowman, Zohran Mamdani oder Alexandria Ocasio-Cortez – fordert radikale Positionierungen zu sozialen Themen, Klimapolitik und dem Nahostkonflikt. Eine aktuelle Umfrage unter New Yorker Demokraten etwa zeigt, dass über 75 % der Befragten Israels Vorgehen im Gazastreifen als Genozid betrachten – eine Haltung, die parteiintern für massiven Zündstoff sorgt.
Das Establishment – vertreten durch Politiker wie Rahm Emanuel oder Amy Klobuchar – warnt hingegen vor einem Abdriften in zu linke Positionen, die die Wählbarkeit im gesamten Land gefährden könnten. Die Debatte erinnert stark an interne Konflikte vor der Nominierung 2020 – nur diesmal sind die Spannungen noch größer.
2028 wird keine Krönung – sondern ein Kräftemessen
Was sich abzeichnet, ist ein „offenes Rennen“ mit möglicherweise mehr als einem Dutzend Bewerbern. Die politischen Lager innerhalb der Partei – Progressive, Zentristen, Realos – stehen sich teils unversöhnlich gegenüber. Ob ein Kandidat oder eine Kandidatin in der Lage ist, diese Flügel zu einen und die Partei neu auszurichten, wird entscheidend für den Wahlausgang 2028 sein.
Fazit aus deutscher Perspektive
Die Demokraten kämpfen um ihr politisches Profil in einer Zeit, in der die Republikaner – mit JD Vance als möglichem Trump-Nachfolger – deutlich geschlossener auftreten. Für Europa, insbesondere Deutschland, stellt sich die Frage: Wer kann außenpolitisch Kontinuität bieten, wer gefährdet sie?
Einige Kandidaten wie Buttigieg oder Harris gelten als transatlantisch orientiert, während andere sich stärker auf innenpolitische Reformen konzentrieren. Der Ausgang dieser Auseinandersetzung wird daher nicht nur innenpolitische Bedeutung für die USA haben, sondern auch geopolitische Auswirkungen – insbesondere im Verhältnis zu NATO, Ukraine, Israel und China.
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