Crowdinvesting finanziert historische Bestandsimmobilie – Anleger tragen unternehmerisches Nachrangrisiko
Mit dem Projekt „Fronfeste 1791“ soll ein denkmalgeschützter Gebäudekomplex im Zentrum von St. Florian bei Linz revitalisiert und in ein modernes Wohn‑ und Gesundheitszentrum umgewandelt werden. Geplant sind altersgerechte Wohnungen, Ordinations‑ und Therapieflächen sowie ein Fitnessstudio. Das Crowdinvesting bietet Anlegern dafür eine Fixverzinsung von 11,5 % p.a. bei einer Laufzeit bis Ende 2028.
Ein attraktives Angebot – doch hinter der hohen Rendite verbirgt sich auch ein entsprechend hohes Risiko, das Anleger realistisch einschätzen sollten.
Historische Substanz, modernes Nutzungskonzept
Die Fronfeste, ein massiver Bau aus dem Jahr 1791, liegt direkt am Marktplatz von St. Florian, einer wachsenden Gemeinde im Linzer Umland. Die Projektgesellschaft Macarius Fronfeste 1791 GmbH & Co KG, begleitet von der FHP Investment Group, setzt auf einen Nutzungsmix aus Wohnen und gesundheitlich orientiertem Gewerbe.
Positiv zu bewerten ist, dass:
- die Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt abgeschlossen ist,
- ein vollständiges Nutzungskonzept vorliegt,
- rund 35 % der Flächen bereits vorreserviert sind,
- ein unabhängiges Gutachten die Gebäudesubstanz als solide einstuft.
Zudem bietet der rund 600 m² große Dachboden erhebliches Ausbaupotenzial – ein zentraler Hebel der geplanten Wertschöpfung.
Finanzierung über qualifiziertes Nachrangdarlehen
Die Anleger beteiligen sich jedoch nicht direkt an der Immobilie, sondern stellen der Projektgesellschaft Kapital in Form eines qualifizierten Nachrangdarlehens zur Verfügung. Diese Finanzierungsform ist typisch für Crowdinvesting, aber auch besonders riskant.
Das bedeutet konkret:
- keine dinglichen Sicherheiten (keine Grundschuld, keine Hypothek),
- Anleger werden im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient,
- Zinsen und Kapital werden endfällig zurückgezahlt,
- eine Rückzahlung ist vollständig abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Projekts.
Denkmalprojekte: kalkulierbar – aber nie risikofrei
Revitalisierungen denkmalgeschützter Gebäude gelten als anspruchsvoll. Trotz sorgfältiger Planung können unerwartete Mehrkosten entstehen – etwa durch bauliche Überraschungen, zusätzliche Auflagen oder steigende Baupreise. Auch Vermietungs‑ und Verkaufsannahmen müssen sich erst am Markt bestätigen.
Hinzu kommt die vergleichsweise lange Laufzeit bis Ende 2028. Während dieser Zeit bleibt das Anlegerkapital gebunden.
Totalverlustrisiko ausdrücklich möglich
Der gesetzliche Risikohinweis ist eindeutig:
„Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“
Ein solcher Totalverlust ist kein theoretisches Szenario, sondern eine reale Möglichkeit – insbesondere bei nachrangigen Finanzierungen ohne Sachbesicherung.
Fazit: Anspruchsvolles Immobilienprojekt – nur für risikobewusste Anleger
„Fronfeste 1791“ überzeugt durch Lage, Substanz und Nutzungskonzept. Die Projektidee ist stimmig und gesellschaftlich sinnvoll, die Vorbereitung wirkt professionell. Dennoch bleibt festzuhalten:
Die hohe Verzinsung von 11,5 % ist der Preis für ein unternehmerisches Risiko.
Das Investment eignet sich ausschließlich für Anleger, die sich des möglichen vollständigen Kapitalverlusts bewusst sind und diesen finanziell tragen können.
Für sicherheitsorientierte Investoren oder zur Altersvorsorge ist das Angebot nicht geeignet.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Anleger sollten sämtliche Vertragsunterlagen, das Informationsblatt sowie die Risikohinweise sorgfältig prüfen und gegebenenfalls unabhängigen fachlichen Rat einholen.
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