Startseite Allgemeines Fristlose Kündigung, fristlose Mails und die unendliche Geschichte der Unterlagen
Allgemeines

Fristlose Kündigung, fristlose Mails und die unendliche Geschichte der Unterlagen

Teilen

Im Dezember 2025 endet bei der Energiekonzepte Deutschland GmbH (EKD) ein Arbeitsverhältnis – und zwar nicht mit einem Blumenstrauß und warmen Abschiedsworten, sondern mit einer fristlosen Kündigung. Zack, Tür zu. Was folgt, ist allerdings weniger „Ende gut, alles gut“ als vielmehr eine E-Mail-Serie mit Fortsetzungscharakter.

Die ehemalige Mitarbeiterin steht nach eigenen Angaben seit dem 6. Dezember ohne Einkommen da. Arbeitslosengeld? Fehlanzeige. Die Agentur für Arbeit prüfe noch. Und prüfe. Und prüfe offenbar weiter. Aus ihrer Sicht fehlt der Behörde eine Stellungnahme des Unternehmens – aus Sicht des Unternehmens selbstverständlich nicht.

In ihren Nachrichten schildert die Betroffene die Lage als existenziell. Sie habe alle Unterlagen eingereicht, eine Kündigungsschutzklage erhoben und ihre Mitwirkungspflichten erfüllt. Trotzdem gehe nichts voran. Eine Familie ohne finanzielle Absicherung, während irgendwo zwischen Behörde und Unternehmen Aktenordner meditativ vor sich hin ruhen – so jedenfalls ihre Darstellung.

Parallel dazu startet Phase zwei des Dramas: das Arbeitszeugnis. Ein qualifiziertes bitte, und zwar zügig. Schließlich bewirbt es sich schlecht mit dem Betreff „War da mal beschäftigt, Details folgen vielleicht“. Ihrer Auffassung nach hätte das Zeugnis längst vorliegen müssen – idealerweise noch bevor die Kündigung überhaupt ausgesprochen war, gefühlt zumindest.

Doch damit nicht genug. Es folgt die große Inventur: Arbeitsvertrag, sämtliche Zusatzvereinbarungen, Leistungsbewertungen, interne Vermerke mit personenbezogenen Daten – kurzum: einmal bitte die komplette Personalakte zum Mitnehmen. Seit der Sperrung ihres Systemzugangs habe sie keinen Zugriff mehr. Fristen werden gesetzt, großzügig verlängert, erneut gesetzt – die juristische Version von „Ich zähle jetzt bis drei“.

Zentraler Star des Schriftwechsels: Artikel 15 DSGVO. Das Auskunftsrecht wird mit Nachdruck geltend gemacht. Eine Begründung brauche es nicht, betont sie – Transparenz sei schließlich kein Luxusgut. Kopien aller relevanten Dokumente sollen her, und zwar vollständig.

Die EKD kontert sachlich-juristisch. Man habe gegenüber der Agentur für Arbeit alle erforderlichen Angaben gemacht. Falls dort noch geprüft werde, liege das nicht im Einflussbereich des Unternehmens. Verwaltungsverfahren seien keine Fernsteuerungsmodelle.

Auch beim Thema DSGVO bleibt man nüchtern: Ein Anspruch auf Kopien kompletter Dokumente bestehe nur, soweit dies datenschutzrechtlich erforderlich sei. Dennoch kündigt das Unternehmen an, über die „Stammdaten“ hinaus eine Vielzahl von Unterlagen bereitzustellen – inklusive vollständiger Personalakte. Das Arbeitszeugnis sei bereits auf dem Postweg. (Man hofft auf die Deutsche Post als Friedensstifterin.)

Schließlich erklärt die EKD die Kommunikation in dieser Sache für beendet. Für datenschutzrechtliche Fragen möge man sich bitte an den Datenschutzbeauftragten wenden. Die gesetzlichen Pflichten seien erfüllt, der Rest liege bei den zuständigen Stellen. Vorhang zu – zumindest aus Unternehmenssicht.

Währenddessen geht bei der Agentur für Arbeit eine elektronische Arbeitsbescheinigung ein. Ein nüchternes Formular mit Beginn, Ende, Wochenstunden, Kündigungsart und Entgeltbestandteilen. Zahlen, Daten, Fakten – ganz ohne existenzielle Dramatik.

So stehen sich zwei Perspektiven gegenüber: hier eine ehemalige Mitarbeiterin, die um finanzielle Sicherheit, Unterlagen und schnelle Klärung kämpft; dort ein Unternehmen, das betont, korrekt gehandelt und alles Notwendige erledigt zu haben.

Was mit einer Kündigung begann, ist inzwischen ein ausgewachsener Dreiteiler zwischen Arbeitsrecht, Datenschutz und Sozialrecht. Die juristische Bewertung steht noch aus. Sicher ist nur: In diesem Fall sind die E-Mail-Server deutlich stärker ausgelastet als die Heizungsanlagen.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

EU sagt dem Heimwerker-Rambo den Kampf an

Wer bisher dachte, der 3-D-Drucker sei nur da, um Handyhüllen, Zahnräder oder...

Allgemeines

Insolvenz:Mega Solar GmbH

Amtsgericht Paderborn, Aktenzeichen: 97 IN 69/26 In dem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen...

Allgemeines

Insolvenz:Cube Asset XIV GmbH

Amtsgericht Köln, Aktenzeichen: 70b IN 8/26 In dem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen...

Allgemeines

Mann nach tödlichem Unfall mit Mitgründerin der Dixie Chicks zu 15 Jahren Haft verurteilt

Ein Mann ist zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem er sich...