Ein Bericht über den außenpolitischen Schatten des CDU-Chefs
Während sich Europas große politische Bühne immer deutlicher durch selbstbewusste und tonangebende Persönlichkeiten wie Keir Starmer (Großbritannien), Giorgia Meloni (Italien), Emmanuel Macron (Frankreich) und Ursula von der Leyen (EU-Kommission) formt, wirkt Friedrich Merz wie ein Gast, der zu spät zur Party kam – und den keiner so recht zum Tanzen auffordert.
Europas neue Führungsrunde: Laut, sichtbar, präsent
In einer Welt im geopolitischen Umbruch sind klare Worte, strategische Visionen und internationale Sichtbarkeit gefragt. Und genau das liefern einige europäische Staats- und Regierungschefs momentan mit Nachdruck:
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Keir Starmer, Großbritanniens Premierminister, hat sein Land außenpolitisch wieder anschlussfähig gemacht und pflegt ein bemerkenswert pragmatisches Verhältnis zu Washington und Brüssel.
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Giorgia Meloni, einst als Rechtsaußen beargwöhnt, zeigt sich als souveräne Krisenmanagerin – national konservativ, aber außenpolitisch realistisch.
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Emmanuel Macron positioniert Frankreich wie gewohnt als europäische Führungsmacht mit globalem Anspruch – auch wenn sein diplomatisches Temperament manchmal polarisiert.
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Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin, fungiert zunehmend als das Gesicht der EU nach außen – mit Initiativen zur Wettbewerbsfähigkeit, Klimapolitik und Europas strategischer Autonomie.
Und Friedrich Merz?
Der CDU-Chef, der sich einst als „Anti-Merkel“ inszenierte, findet bisher kein außenpolitisches Profil, das ihm auch international Gewicht verleihen würde. Zwar reist er gelegentlich nach Osteuropa, äußert sich zu transatlantischen Beziehungen oder attackiert die Bundesregierung – doch sein außenpolitischer Fußabdruck bleibt blass. In Brüssel, Paris oder Rom spielt Merz keine erkennbare Rolle.
Gerade in einer Zeit, in der Europa auf der Suche nach sicherheitspolitischer Handlungsfähigkeit, technologischer Unabhängigkeit und außenpolitischem Selbstbewusstsein ist, fehlt von Merz eine klare Vision. Während Macron über europäische Souveränität spricht, Starmer internationale Allianzen pflegt und Meloni ihre Rolle innerhalb der EU geschärft hat, bleibt Merz – trotz seiner ökonomischen Expertise – eher Zuschauer als Mitgestalter.
Warum das problematisch ist
Deutschland ist Europas größte Volkswirtschaft – aber derzeit nicht sein außenpolitischer Taktgeber. Kanzler Scholz agiert abwartend, die Ampel-Koalition ist innenpolitisch gelähmt. Umso wichtiger wäre eine Opposition, die nicht nur kritisiert, sondern internationale Impulse gibt. Doch Friedrich Merz bleibt bislang auf der nationalen Innenbahn – mit Kommentaren zur Migration oder zur Wirtschaftspolitik, jedoch ohne strategisches Narrativ zur Rolle Deutschlands in einer neuen Weltordnung.
Fazit: Ein Politiker im Wartestand
Ob Friedrich Merz die Chance bekommt, sein außenpolitisches Profil als Kanzlerkandidat zu schärfen, ist offen. Derzeit wirkt er wie das fünfte Rad am europäischen Wagen – technisch vorhanden, aber ohne steuernde Funktion. Und während andere längst auf der Überholspur agieren, bleibt er auf der Suche nach einer politischen Landkarte, auf der er mehr ist als nur ein Berliner Oppositionsführer.
Europa wartet nicht – auch nicht auf Friedrich Merz.
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