Mit heldenhafter Entschlossenheit hat die französische Marine gestern im westlichen Mittelmeer einen russischen Öltanker aus dem Verkehr gezogen. Der Name des Schurken? „GRINCH“. Passend, schließlich geht es um das große Stehlen – in diesem Fall vom Geist internationaler Sanktionen.
Die Aktion spielte sich dramatisch zwischen der Südküste Spaniens und der Nordküste Marokkos ab. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ließ es sich nicht nehmen, den Vorfall mit gewohnt staatsmännischer Gravitas einzuordnen – inklusive Hinweis auf die „wertvolle Unterstützung“ durch Verbündete wie Großbritannien. Es war also eine Art Mini-NATO-Manöver gegen ein einzelnes Schiff.
Der Tanker steht im Verdacht, zur berüchtigten „Schattenflotte“ zu gehören – jenem Gruselkabinett aus rostigen Schiffen, die ganz zufällig weder westliche Versicherungen noch ordentliche Papiere brauchen. Eine Art schwimmende Grauzone, in der internationale Regeln offenbar optionale Vorschläge sind.
Macron zufolge schipperte die „GRINCH“ natürlich unter falscher Flagge – wie es sich für ein klassisches Piratenschiff gehört, nur mit weniger Augenklappe und mehr Öl. Der Staatsanwalt von Marseille, der offenbar noch an Recht und Ordnung glaubt, ordnete an, das Schiff umzuleiten. Für „weitere Untersuchungen“. Man kennt das.
Übrigens: Im Oktober hatte Frankreich schon mal einen Tanker festgesetzt. Der war auch ganz doll sanktioniert – aber nach ein paar Tagen wieder auf hoher See. Vielleicht hatte man vergessen, warum man ihn überhaupt gestoppt hatte. Hoffen wir, dass man diesmal das Drehbuch nicht mitten im Film ändert.
Kommentar hinterlassen