Die Apokalypse ist vorerst verschoben: Frankreich hat in einem historischen Akt beschlossen, den Untergang der Jugend durch Instagram-Filter, Snapchat-Flammen und TikTok-Tänze mutig zu bekämpfen – mit einem Social-Media-Verbot für alle unter 15. Voilà, Revolution!
Mit überwältigender Mehrheit (116 vs. 23 Stimmen – also ungefähr wie beim Elternabend über Handynutzung) hat die Nationalversammlung den Gesetzesentwurf durchgewunken, der vorsieht, Kinder künftig dort zu lassen, wo sie hingehören: Bei Wikipedia, in der Bibliothek – oder im besten Fall im Bett. Und zwar schlafend. Ohne Bildschirm.
„Unsere Kinder lesen weniger, schlafen weniger und vergleichen sich mehr“, so die Abgeordnete Laure Miller von der Regierungspartei „Renaissance“. Klingt zwar stark nach Erwachsenenbeschreibung nach einem Wochenende auf Twitter, war aber ernst gemeint.
Macron, der Ritter gegen den Algorithmus
Präsident Emmanuel Macron ließ es sich nicht nehmen, den kindlichen Seelen höchstselbst zur Hilfe zu eilen – per Videoansprache natürlich, ironischerweise online. „Die Emotionen unserer Kinder sind nicht zu verkaufen“, erklärte er feierlich. Außer vielleicht für gute Umfragewerte. Er sprach sich klar gegen die „chinesischen Algorithmen“ aus – was vermutlich den Franco-chinesischen TikTok-Fanclub spontan aufgelöst hat.
Ein ganz neuer Alltag für Frankreichs Jugendliche
Falls der Senat mitzieht, heißt es ab September: Bye-bye TikTok, hello Vokabelheft. Endlich wieder Sozialkontakte wie im 18. Jahrhundert: analog, mit Blickkontakt und ohne GIFs.
Einziger Haken: Das Ganze funktioniert nur mit einem „wirksamen Altersverifizierungssystem“. Also einem, das Jugendliche nicht mit einem Klick austricksen können. In etwa so realistisch wie ein Mathetest ohne Taschenrechner.
„Frankreich kann Vorreiter werden“, so Gabriel Attal.
Ein Monat, so Attal, und Frankreich könnte Europa zeigen, wie man Kindern das Internet wegnimmt – ohne ihnen Alternativen anzubieten. Stattdessen: Schulhöfe ohne Smartphones. Die Geräte werden dort morgens eingesammelt, vermutlich zusammen mit dem letzten Rest jugendlicher Lebensfreude.
Österreich schaut zu – mit Misstrauen und Antrag
Auch in Österreich gibt es einen Antrag der Grünen für ein Mindestalter. Barbara Neßler: „Kinder brauchen Schutz.“ Stimmt. Vor allem vor Erwachsenen, die glauben, TikTok sei schlimmer als Matheunterricht.
Widerstand kommt – natürlich – von Kinderschützern
Das Deutsche Kinderhilfswerk hält das Ganze für eine digitale Entmündigung. Verbote würden Kindern „einen Rückzugsort ihrer Lebenswelt nehmen“. Denn ja – wo, wenn nicht in 10-Sekunden-Videos mit Lippen-Sync und Katzenfiltern, sollte ein Mensch wirklich er selbst sein?
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