Die FOCUS Asset Management GmbH mit Sitz in München hat ihren Jahresabschluss zum 31. Dezember 2024 veröffentlicht. Als lizenziertes Finanzportfolioverwaltungsunternehmen unter Aufsicht der BaFin agiert FOCUS im gehobenen Private-Banking- und Family-Office-Segment. Der Abschluss zeigt ein insgesamt stabiles, konservativ geführtes Unternehmen, jedoch mit begrenztem Wachstumspotenzial und leicht sinkender Ertragskraft.
1. Bilanzielle Stabilität – solide Eigenkapitalausstattung
Die Bilanzsumme betrug zum 31. Dezember 2024 1,73 Mio. Euro (Vorjahr: 1,78 Mio. Euro) und ist damit leicht rückläufig (-3 %). Die Eigenkapitalquote liegt mit 84,4 % (Vorjahr: 84,6 %) auf einem ausgesprochen hohen Niveau – ein Zeichen für finanzielle Stabilität und geringe Verschuldung.
Das Eigenkapital beläuft sich auf 1,46 Mio. Euro, was nach wie vor eine gesunde Kapitaldecke für ein kleineres Finanzdienstleistungsinstitut darstellt. Die hohe Eigenkapitalquote unterstreicht das konservative Risikomanagement der Gesellschaft, das sich auch im Anhang widerspiegelt: Keine Fremdfinanzierungen, geringe Rückstellungen und kein erkennbarer Leverage.
Dennoch fällt auf, dass das Eigenkapital leicht gesunken ist (von 1,51 Mio. Euro im Vorjahr), was auf eine Ausschüttung von 200.000 Euro zurückzuführen ist – eine im Verhältnis zum Gewinn relativ hohe Entnahme.
Bewertung:
Finanziell stabil, aber die Dividendenpolitik reduziert den Puffer für Wachstum und Eigenfinanzierung.
2. Ertragslage – moderater Gewinn, leicht rückläufiger Umsatz
Die Provisionserträge, als Kernumsatz der Gesellschaft, sanken von 2,26 Mio. Euro auf 2,15 Mio. Euro (-5 %). Ursache laut Lagebericht: der Rückgang der Kundenzahl um sieben Mandate im Bereich Finanzportfolioverwaltung. Der Fokus auf vermögende Privatkunden hat zwar die Qualität der Kundenbasis erhöht, aber die Breite der Einnahmen verringert.
Nach Abzug der Personal- und Verwaltungskosten ergibt sich ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 216.000 Euro (Vorjahr: 295.000 Euro), was einem Rückgang um rund 27 % entspricht. Der Jahresüberschuss fiel auf 151.000 Euro (Vorjahr: 207.000 Euro).
Das Unternehmen bewegt sich damit stabil im positiven Bereich, zeigt aber keine Wachstumsdynamik.
Die operative Marge (Jahresüberschuss zu Provisionserlösen) liegt bei etwa 7 %, was für ein Asset-Management-Haus mit kleinem Verwaltungsvolumen eher am unteren Rand liegt.
Bewertung:
Profitabel, aber unter Druck. Umsatzrückgang bei stabilen Kosten weist auf sinkende Produktivität oder steigende Margenkonkurrenz hin.
3. Kostenstruktur – effizient, aber personalintensiv
Der Personalaufwand stieg um rund 9 % auf 1,53 Mio. Euro und macht damit knapp 71 % der Gesamtaufwendungen aus. Bei einem kleinen Team von acht Mitarbeitenden bedeutet das einen durchschnittlichen Personalaufwand von rund 191.000 Euro pro Kopf – für ein beratungsintensives Finanzunternehmen nachvollziehbar, aber im Verhältnis zum Umsatz hoch.
Die sonstigen Verwaltungsaufwendungen konnten hingegen deutlich gesenkt werden – von 551.000 auf 420.000 Euro (-24 %). Das spricht für eine verbesserte Kostenkontrolle bei externen Leistungen und Verwaltungsausgaben.
Bewertung:
Kostenseitig solide geführt. Dennoch: Die hohe Fixkostenbasis durch Personal schränkt die Flexibilität ein.
4. Liquidität und Vermögensstruktur
Die liquiden Mittel (Forderungen an Kreditinstitute, täglich fällig) liegen bei 329.000 Euro, also komfortabel für den laufenden Betrieb. Es bestehen keine langfristigen Verbindlichkeiten; Rückstellungen und kurzfristige Schulden sind gering.
Die Anlagepolitik zeigt konservative Züge: Ein Bestand an Investmentfonds im Wert von 1,16 Mio. Euro, die nach HGB-Vorschriften bewertet werden. Hier ist kein erhöhtes Risiko ersichtlich – die Papiere dienen offenbar der Liquiditätsreserve oder Anlage eigener Mittel.
Bewertung:
Solide Liquidität und risikoarme Vermögensstruktur. Kein Anzeichen für Bonitäts- oder Liquiditätsprobleme.
5. Risikomanagement und Geschäftsmodell
Das Unternehmen legt laut Lagebericht besonderen Wert auf Adress-, Marktpreis- und Liquiditätsrisiken und bewertet diese als „eher gering“.
Da FOCUS ein kleineres Institut mit beschränkter Bilanzsumme ist, dürften diese Risiken in der Tat überschaubar sein.
Die Risikosteuerung erfolgt direkt durch die Geschäftsleitung, was bei der Unternehmensgröße sinnvoll ist, aber auch personell abhängige Risiken birgt – insbesondere, da mit Christina Comeyne ab 2025 eine neue Geschäftsführerin bestellt wurde. Ein Wechsel auf Führungsebene erfordert stets Aufmerksamkeit hinsichtlich Kontinuität und Compliance.
Bewertung:
Risikomanagement angemessen, aber stark personenabhängig.
6. Prüfungsergebnis und Transparenz
Die Abschlussprüfung durch die Nexia GmbH (Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) ergab keine Beanstandungen. Der Bestätigungsvermerk ist uneingeschränkt.
Positiv hervorzuheben: Der Anhang ist ausführlich, die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sind standardkonform nach HGB und KWG dargestellt.
Bewertung:
Vorbildlich transparent und ohne bilanzielle Auffälligkeiten.
7. Gesamtbewertung
| Kennzahl | 2023 | 2024 | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Bilanzsumme | 1,78 Mio. € | 1,73 Mio. € | leicht rückläufig |
| Provisionserträge | 2,26 Mio. € | 2,15 Mio. € | -5 %, rückläufig |
| Jahresüberschuss | 207 T€ | 151 T€ | -27 %, moderater Gewinn |
| Eigenkapitalquote | 84,6 % | 84,4 % | sehr solide |
| Mitarbeiterzahl | 6 | 8 | moderates Wachstum |
| Dividendenausschüttung | 200 T€ | 200 T€ | stabil, aber hoch |
8. Fazit – Stabiles Fundament, aber keine Dynamik
Die FOCUS Asset Management GmbH präsentiert sich als finanziell solide, konservativ geführte Vermögensverwaltung mit klarer Struktur und hoher Eigenkapitalbasis.
Allerdings zeigt sich:
-
Umsatzwachstum stagniert,
-
Margen sinken leicht,
-
und die Kundenzahl nimmt ab.
Das Unternehmen kompensiert Stabilität mit Renditeverzicht – ein klassisches Merkmal kleiner, unabhängiger Asset Manager.
Strategisch sollte FOCUS überlegen, wie sich Skaleneffekte oder digitale Angebote nutzen lassen, um Erträge langfristig zu steigern, ohne die Kostenbasis weiter aufzublähen.
In Summe:
Ein verlässliches, professionell geführtes Institut, das stabil, aber wenig dynamisch agiert. Für Investoren oder Partner ist das keine Wachstumsstory, sondern ein Qualitätsunternehmen mit konservativem Geschäftsmodell und solider Bilanzstruktur.
Zusammengefasst:
Die FOCUS Asset Management GmbH überzeugt durch Bilanzstärke und Seriosität, doch sie steht vor der Herausforderung, im zunehmend wettbewerbsintensiven Markt der unabhängigen Vermögensverwalter Wachstum und Effizienz in Einklang zu bringen
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