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Fluthilfe-Betrug: Wenn die Welle der Gier höher schwappt als das Hochwasser

geralt (CC0), Pixabay
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Nach der Flutkatastrophe von 2021 sollten eigentlich zerstörte Sofas, Waschmaschinen und Küchen ersetzt werden – nicht die Urlaubskasse von Hobbybetrügern. Doch immer mehr Leute dachten sich offenbar: „Wenn schon das Wasser nicht bis zur Türschwelle kam, dann wenigstens das Geld bis aufs Konto.“

Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), die damals extra unbürokratisch helfen wollte, ertrinkt nun in Betrugsanzeigen. Allein das Amtsgericht Mayen schwimmt aktuell in 26 Verfahren.


Fallstudie Simon R.: Kneipen-Tipp mit 13.000-Euro-Nachgeschmack

Simon R. aus Mayen hörte im Januar 2023 in der Kneipe den wohl „besten“ Ratschlag seines Lebens: Antrag stellen, Hausrat erfinden, Kasse klingeln lassen. Drei Tage später lagen 13.000 Euro auf seinem Konto – ganz ohne Wasser im Keller, höchstens im Bierglas.

Vor Gericht musste Simon nun allerdings trockenlegen: 80 Tagessätze à 40 Euro, plus Verfahrenskosten. Macht 3.200 Euro – also ungefähr so viel wie drei Wochen Malle all-inclusive. Immerhin: Er zahlte brav zurück und kam so noch glimpflich davon.


„Unbürokratisch“ trifft „Unverschämt“

„Es war einfach zu verführerisch“, erklärte Simons Anwalt. Tatsächlich verlangte die Bank damals keine Nachweise, was ungefähr so sicher war wie ein Türschloss aus Pappe. Wer außerhalb der überfluteten Straßen wohnte, flog allerdings früher oder später auf.


Influencer-Marketing der besonderen Art

Amtsgerichtsdirektor Marcel Heinemann berichtet von Nachbarschafts-Werbekampagnen: „Ey, mach doch auch, gibt 13 Riesen umsonst!“ – fast wie ein Schneeballsystem, nur mit Gummistiefeln.


Von Teenies bis Tanten

Unter den ertappten „Flutopfern“ fanden sich auch Frauen zwischen 18 und 20 Jahren. Manche kassierten 180 Tagessätze Strafe – genug, um zu lernen: Statt Betrugsformular lieber BAföG-Antrag ausfüllen.


Moral von der Geschichte

Die eigentliche Katastrophe kam also nicht nur mit Wasser, sondern mit Ideenreichtum: Während die Ahr über die Ufer trat, schwappten anderswo die Fantasien über.

Oder wie man in Mayen wohl sagt: „Manche hatten zwar keinen nassen Keller, dafür jetzt aber eine saftige Vorstrafe.“

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