Die einst florierende Zitrusindustrie Floridas steckt in einer existenziellen Krise. Jahrzehntelang war der Anbau von Orangen und Grapefruits ein wirtschaftliches Rückgrat des Bundesstaates. Doch nun bedrohen invasive Insekten, bakterielle Pflanzenkrankheiten und extreme Wetterereignisse die Zukunft des traditionsreichen Sektors.
Die Produktionsmenge ist dramatisch eingebrochen: Während Anfang der 2000er Jahre noch über 300 Millionen Kisten Zitrusfrüchte pro Saison geerntet wurden, waren es in der Erntesaison 2024/25 nur noch rund 14,6 Millionen – ein Rückgang von rund 92 Prozent seit dem Jahr 2004. Auch die Anbaufläche schrumpfte auf unter 200.000 Hektar – ein historischer Tiefstand.
Schädling verbreitet tödliche Krankheit
Verantwortlich für den Niedergang ist in erster Linie der Asiatische Zitrus-Psyllid, ein nur wenige Millimeter großes Insekt, das seit Ende der 1990er Jahre in Florida vorkommt. Es überträgt die bakterielle Pflanzenkrankheit Huanglongbing (HLB), auch bekannt als „Citrus Greening“. Die Krankheit führt zum langsamen Absterben der Bäume und zu deformierten, ungenießbaren Früchten.
„Der Psyllid ist für Zitrusbäume das, was die Mücke für den Menschen in Bezug auf Malaria ist“, erklärt Pflanzenphysiologin Ute Albrecht von der Universität Florida. Einmal infiziert, lässt sich der Erreger nicht mehr aus dem Baum entfernen.
Forschung macht Hoffnung
Trotz der schwierigen Lage geben Wissenschaftler und Landwirte nicht auf. An der Universität Florida wird intensiv an resistenten Zitrussorten geforscht. Dank genetischer Züchtung konnten inzwischen neue Bäume entwickelt werden, die widerstandsfähiger gegenüber der Krankheit sind. Auch werden Schutzstrukturen aus Netzmaterial über ganzen Plantagen eingesetzt, um die Insekten fernzuhalten – mit sichtbarem Erfolg.
„Diese Innovationen sind ein Hoffnungsschimmer“, sagt Matt Joyner, Geschäftsführer des Branchenverbands Florida Citrus Mutual. „Wir sehen erste Zeichen eines Comebacks.“
Auch Züchter wie Shane und Katie Bevilacqua aus Bartow setzen auf moderne Schutztechnik und neue Sorten. Auf ihrer Farm wachsen mittlerweile über 700 Hektar Zitrusbäume unter schützenden Netzen. Die Früchte wachsen dort schneller, liefern bessere Qualität – und sind bei Verbrauchern beliebt.
Herausforderungen bleiben groß
Trotz vielversprechender Entwicklungen stehen die Landwirte vor enormen Herausforderungen. Die Schutzsysteme sind teuer, Schäden durch Hurrikans häufig. Zudem schreitet die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen in Wohngebiete schnell voran – ein Umstand, der den Neuanbau zusätzlich erschwert.
Züchter wie Steve Crump aus DeLeon Springs setzen deshalb auf frühe Investitionen in neue Sorten und Technologien. „Die Qualität ist die beste, die ich je hatte“, sagt er über seine Früchte unter Schutzstruktur.
Zukunft der Industrie steht auf dem Spiel
Die Wissenschaft arbeitet zudem an Sorten, die sich maschinell ernten lassen oder ihren Geschmack auch nach der Pasteurisierung behalten – wichtig für die Produktion von Fruchtsaft. Auch Verbraucher könnten einen Beitrag leisten, indem sie ihre eigenen Zitrusbäume kontrollieren und gegen Schädlinge schützen.
„Die Rettung der Zitrusindustrie wird nur mit einem umfassenden Ansatz gelingen“, sagt Forscherin Ute Albrecht. „Wir brauchen widerstandsfähigere Sorten, gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen und politische Unterstützung.“
Neben dem wirtschaftlichen Wert betonen Branchenvertreter auch den ökologischen Nutzen: Zitrushaine tragen zur Erhaltung ländlicher Räume und zur Begrenzung der Urbanisierung bei. Ihr Verschwinden hätte weitreichende Folgen – für die Umwelt, die Wirtschaft und das Kulturgut Florida Orange.
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