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FBI durchsucht Wohnung von „Washington Post“-Reporterin – Sorge um Pressefreiheit wächst

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Die Durchsuchung der Wohnung einer renommierten Reporterin der Washington Post durch das FBI hat in den USA eine Welle der Empörung ausgelöst – insbesondere unter Verfechtern der Pressefreiheit. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit mutmaßlich geheimen Informationen, die über einen Regierungsmitarbeiter an die Presse gelangt sein sollen.

Am Mittwochmorgen durchsuchten FBI-Beamte die Wohnung der Journalistin Hannah Natanson. Dabei wurden ein Mobiltelefon und zwei Computer sichergestellt, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person gegenüber CNN mitteilte.

Hintergrund ist offenbar eine laufende Untersuchung gegen einen IT-Administrator des Pentagon, der verdächtigt wird, geheime Dokumente entwendet und illegal weitergegeben zu haben. Laut einem Bericht der Washington Post soll der Mann, Aurelio Perez-Lugones, geheime Unterlagen in seinem Keller und sogar in seiner Lunchbox aufbewahrt haben. Er wurde vergangene Woche offiziell angeklagt.

Brisante Vorwürfe – und ungewöhnlicher Ton

US-Justizministerin Pam Bondi beschuldigte Natanson auf der Plattform X (ehemals Twitter), „klassifizierte und illegal geleakte Informationen eines Pentagon-Vertragspartners erhalten und veröffentlicht“ zu haben. Eine Sprecherin der Washington Post erklärte, man beobachte die Situation genau, wollte aber zunächst keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen.

Brisant ist auch der Ton der Trump-Regierung: Bondi sprach vom „Department of War“ – eine Formulierung, die in offiziellen Zusammenhängen seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet wird und die offenbar bewusst martialisch gewählt wurde. Der Vorwurf: Die Veröffentlichung solcher Informationen gefährde die nationale Sicherheit und das Leben von US-Soldat*innen.

Pressefreiheit unter Druck?

Auch wenn Natanson laut Insiderkreisen nicht Zielperson der Ermittlungen sei, sondern lediglich im Umfeld des mutmaßlichen Leaks ermittelt werde, schlägt der Vorfall hohe Wellen.

Jameel Jaffer, Direktor des Knight First Amendment Institute, warnte: „Durchsuchungen bei Journalist*innen sind Kennzeichen autoritärer Regime. Wir dürfen nicht zulassen, dass solche Praktiken hier zur Normalität werden.“

Bruce D. Brown, Präsident des Reporters Committee for Freedom of the Press, bezeichnete die Hausdurchsuchung als eine der „invasivsten Maßnahmen“, die Behörden gegenüber Journalist*innen ergreifen könnten. Solche Schritte seien in den USA durch spezifische Gesetze nur in absoluten Ausnahmefällen zulässig, da sie die Vertraulichkeit von Quellen gefährden und investigativen Journalismus insgesamt untergraben.

Signal-Nachrichten und 1.169 Quellen

Der Fall erhält zusätzliche Brisanz durch einen Artikel, den Natanson vor wenigen Wochen selbst veröffentlichte. Darin beschrieb sie ihre Rolle als „Whistleblower-Poststelle“ für frustrierte Bundesbedienstete unter Präsident Trump. Sie sprach von über 1.100 anonymen Kontakten, die sie über die verschlüsselte App Signal erreicht hätten – ein Tool, das gerade wegen seiner Sicherheitsstandards von vielen Journalist*innen genutzt wird.

Jetzt fragen sich Kolleg*innen der Washington Post, ob diese Kontakte und ihre eigenen Geräte ebenfalls gefährdet sind.

„Wir sind schockiert und besorgt. Nicht nur um Hannah, die eine herausragende Reporterin ist – sondern auch um unsere Quellen“, sagte eine Kollegin, die anonym bleiben wollte, gegenüber CNN. „Wir überdenken gerade alles, was den Schutz unserer Arbeit betrifft.“

Ein beunruhigender Präzedenzfall?

Noch ist unklar, auf welcher rechtlichen Grundlage das FBI die Durchsuchung durchführte. Erst mit Veröffentlichung der eidesstattlichen Versicherung im Ermittlungsverfahren dürfte klar werden, ob die Behörde die extrem hohen rechtlichen Hürden für solch einen Eingriff tatsächlich erfüllt hat.

Fest steht: Der Fall markiert eine neue Eskalationsstufe im Verhältnis zwischen der Presse und der Regierung Trump. Und er wirft einmal mehr die Frage auf, wie weit eine Demokratie gehen darf, um Geheimnisse zu schützen – ohne dabei die freie Presse zu untergraben.

 

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