Massud Peseschkian, Präsident der Islamischen Republik Iran, ist offenbar haarscharf dem Tod entkommen – und das nicht etwa bei einer mutigen Frontvisite, sondern ganz klassisch im Konferenzraum des Nationalen Sicherheitsrats. Laut der regierungsnahen Agentur FARS hatten sich Peseschkian und seine Krisenberater dort drei Tage nach dem Ausbruch des Kriegs gegen Israel versammelt, als die israelische Luftwaffe kurzerhand beschloss, die Architektur etwas umzugestalten.
Der Bombenbesuch schlug ein – Stromausfall, Chaos, Verletzte, darunter auch der Präsident selbst, der sich laut iranischen Medien mit einer Beinverletzung aus dem Staub machen musste. Die Führung eines Gottesstaats im Ausnahmezustand hat eben ihren Preis – man kann ihn auch in Schrapnellen messen.
Statt in einer Klinik zur Ruhe zu kommen, wählte Peseschkian wenig später das US-Format der Wahl jedes modernen Despoten mit Medienambitionen: ein Interview bei Tucker Carlson. Dort sprach er offen über den versuchten Mordanschlag, vermutete ein Geheimdienstleck – und spielte mit dem Gedanken, dass der Mossad vielleicht doch zu viele iranische Teeküchen durchkämmt hat. Die FARS-Agentur sekundierte brav mit Andeutungen über eingeschleuste Agenten. Wer weiß, vielleicht trug der Bote mit dem Gebäck an jenem Tag eine falsche Krawatte.
Währenddessen kursieren im iranischen Staats-TV dramatisch unterlegte Videos von nächtlichen Bombeneinschlägen an Teherans westlichem Berghang. Ob die Bilder nun echt, übertrieben oder aus dem letzten Katastrophenfilm recycelt sind – wer braucht schon Verifikation, wenn man patriotische Panik schüren kann?
Zur Erinnerung: Israel hatte am 13. Juni zum Großschlag ausgeholt und den Iran mit einem umfassenden Luftkrieg überzogen, inklusive Attacken auf Atomanlagen – weil, so die Lesart, es sich um Selbstverteidigung im Voraus handelte. Der Iran wiederum ließ Raketen regnen. Auf beiden Seiten starben Menschen, darunter wie üblich jene, die am wenigsten zu sagen haben: Zivilisten.
Die USA – mal wieder die Weltpolizei mit Fernbedienung – bombardierten nach ein paar Tagen gleich drei iranische Nuklearstandorte. Nach zwölf Tagen Vollgas dann plötzlich: Waffenruhe. Warum? Weil niemand mehr wusste, wer zuerst geschossen hat – und selbst CNN eine Pause brauchte.
Jetzt wird im Iran gewarnt, geflüstert und gemutmaßt. Neue Angriffe? Neue Agenten? Neue Interviews?
Nur eines scheint sicher: Präsident Peseschkian steht wieder – zumindest auf einem PR-Bein. Und mit ihm ein Regime, das lieber Opfermythen strickt, als die eigene Rolle im geopolitischen Spiel zu reflektieren.
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