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Fast blinder Flüchtling stirbt Tage nach Aussetzung durch Grenzbeamte in New York – Ermittlungen laufen

RobVanDerMeijden (CC0), Pixabay
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Der Tod eines nahezu blinden Flüchtlings in Buffalo im Bundesstaat New York sorgt für Entsetzen und politische Debatten. Nurul Amin Shah Alam (56) war wenige Tage zuvor von US-Grenzschutzbeamten an einem Café abgesetzt worden – allein, ohne Begleitung. Fünf Tage später wurde er tot aufgefunden.

Shah Alam galt seit dem 19. Februar als vermisst. An diesem Tag hatten ihn Beamte der Border Patrol nach seiner Entlassung aus dem Erie County-Gefängnis zu einem Café gebracht und dort zurückgelassen. Seine Leiche wurde am darauffolgenden Dienstagabend etwa sechs Kilometer entfernt entdeckt, teilte die Polizei von Buffalo mit.

Am Donnerstag versammelten sich Dutzende Menschen in einer örtlichen Moschee zu seinem Begräbnis.

Widersprüchliche Angaben zum Gesundheitszustand

Ein Sprecher der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) erklärte, Shah Alam habe eine „Gefälligkeitsfahrt“ zu einem warmen und sicheren Ort in der Nähe seiner letzten bekannten Adresse angenommen. Man habe keine Anzeichen von Stress, Mobilitätsproblemen oder Behinderungen festgestellt, die besondere Unterstützung erfordert hätten.

Dem widersprechen örtliche Politiker. Bürgermeister Sean Ryan sagte, die Beamten hätten kein Protokoll gehabt, wie mit einem behinderten Mann umzugehen sei, der kaum Englisch spreche und orientierungslos sei. Nach seinen Angaben sei Shah Alam sogar vor einem geschlossenen Café abgesetzt worden – bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, zeitweise mit Schneefall und Nebel.

„Das war vermeidbar“, sagte Ryan und forderte Aufklärung darüber, „wie und warum das geschehen konnte“. Auch der New Yorker Kongressabgeordnete Tim Kennedy verlangte eine umfassende Untersuchung auf lokaler, bundesstaatlicher und föderaler Ebene. Generalstaatsanwältin Letitia James prüft nach eigenen Angaben rechtliche Schritte.

Die genaue Todesursache ist bislang unklar. Der Gerichtsmediziner des Erie County hat noch keinen abschließenden Bericht veröffentlicht.

Ein Jahr in Haft wegen Missverständnisses

Shah Alam stammte aus Myanmar und gehörte zur muslimischen Minderheit der Rohingya. Er war erst wenige Monate zuvor mit seiner Familie als anerkannter Flüchtling in die USA eingereist.

Im Dezember 2024 wurde er festgenommen. Laut seinem Sohn war er bei einem Spaziergang mit einer Gardinenstange als Gehhilfe unterwegs, als er sich verirrte und ein Privatgrundstück betrat. Weil er die Aufforderung der Polizei, die Stange fallen zu lassen, nicht verstand, kam es zur Eskalation. Bodycam-Aufnahmen zeigen, wie Beamte Elektroschocker einsetzen und ihn zu Boden bringen.

Zwei Polizisten wurden bei dem Vorfall verletzt. Shah Alam wurde unter anderem wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und Hausfriedensbruchs angeklagt. Später einigte man sich auf ein Vergehen (Misdemeanor). Er blieb jedoch bis zur geplanten Urteilsverkündung im März in Haft.

Angst vor Abschiebung

Obwohl Shah Alam rechtmäßig als Flüchtling im Land war, verzichtete die Familie zunächst darauf, die Kaution zu hinterlegen – aus Sorge, er könnte in Abschiebehaft geraten. Später wurde entschieden, dass eine Freilassung keine Abschiebung nach sich ziehen würde.

Am 19. Februar wurde die Kaution bezahlt. Während der Entlassung informierte das Sheriff’s Office die Border Patrol, da zuvor ein sogenannter „Immigration Detainer“ vorlag. Die Bundesbeamten erschienen noch vor Abschluss der Freilassung.

Später stellten sie fest, dass Shah Alam als Flüchtling nicht abschiebbar war. Mithilfe eines Übersetzungsprogramms hätten sie mit ihm kommuniziert, so ein Bundesbeamter. Er habe darum gebeten, zu dem Ort gebracht zu werden, an dem er schließlich abgesetzt wurde. Ein angebotener Anruf sei abgelehnt worden.

Seine Familie wurde nicht darüber informiert, wohin er gebracht wurde. Zudem lebte sie nicht mehr in der Nähe des Cafés. Nach Angaben seines Sohnes konnte Shah Alam weder lesen noch schreiben und nutzte keine elektronischen Geräte.

Verwirrung und verspätete Suche

Mehrere Tage lang herrschte Unklarheit über seinen Aufenthaltsort. Zunächst ging die Familie davon aus, er befinde sich in einem ICE-Gefängnis. Erst später wurde bekannt, dass er freigelassen worden war.

Am 22. Februar wurde eine Vermisstenanzeige gestellt. Die Ermittlungen wurden zunächst eingestellt, da man von Bundesgewahrsam ausging, dann aber wieder aufgenommen. Schließlich fanden Ermittler heraus, dass er an dem Café ausgesetzt worden war.

Am 24. Februar ging ein Notruf ein: Ein Mann liege regungslos am Boden. Rettungskräfte versuchten Wiederbelebungsmaßnahmen, doch Shah Alam wurde noch am Fundort für tot erklärt.

Scharfe Kritik an Behörden

Bürgermeister Ryan warf den Bundesbehörden „schlechte Polizeiarbeit“ und „unmenschliches Verhalten“ vor. Nach vorläufigen Informationen trug Shah Alam beim Absetzen lediglich die orangefarbenen Haft-Schuhe aus dem Gefängnis.

Der Fall fällt in eine Zeit verschärfter Einwanderungsmaßnahmen unter Präsident Trump. Kritiker sehen in dem Vorfall ein Beispiel für problematischen Umgang mit Schutzsuchenden – unabhängig von ihrem rechtlichen Status.

Shah Alam habe sich nichts sehnlicher gewünscht, als mit seiner Familie vereint zu sein und hausgemachtes Essen zu genießen, sagte sein Sohn.

Die Staatsanwaltschaft will die Anklage nach Eingang der Sterbeurkunde einstellen. Die Ermittlungen zu den genauen Umständen seines Todes dauern an.

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