Die SPD sucht mal wieder nach Wegen, sich politisch selbst zu beschädigen. Diesmal offenbar mit einer Idee, die garantiert in jeder Familienküche sofort für Begeisterung sorgt: die kostenfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung infrage stellen. Eine brillante Strategie – wenn das Ziel lautet, die nächste Wahl mit Anlauf zu verlieren.
Man muss der SPD ja eines lassen: Wenn es darum geht, Stammwähler zu verunsichern, Familien gegen sich aufzubringen und sich politisch selbst ins Knie zu schießen, dann arbeitet diese Partei mit einer bewundernswerten Konsequenz.
Denn wer kommt bitte auf die glorreiche Idee, ausgerechnet bei der kostenfreien Familienmitversicherung herumzusägen?
Genau: Menschen, die offenbar glauben, Wahlen gewinne man, indem man Eltern erklärt, dass Kinder zwar willkommen sind – aber bitte künftig mit Aufpreis.
Die Botschaft wäre dann ungefähr:
„Wir stehen für soziale Gerechtigkeit. Außer wenn ihr verheiratet seid, Kinder habt oder auf ein Einkommen angewiesen seid. Dann wird’s halt teuer.“
Herzlichen Glückwunsch.
Mit solchen Ideen muss die SPD wirklich langsam aufpassen, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl nicht ernsthaft mit der 5-Prozent-Hürde um Platz 1 kämpft.
Die eigentliche Frage wird natürlich wieder elegant umfahren
Was in dieser Debatte nämlich fast komplett fehlt, ist das, worüber man eigentlich reden müsste:
Warum nimmt sich eigentlich niemand endlich mal die internen Kostenstrukturen der Krankenkassen vor?
Denn in Deutschland scheint das Motto zu gelten:
- Familien sparen? Ja, bitte.
- Versicherte stärker belasten? Natürlich.
- Beiträge erhöhen? Immer gern.
- Aber die Kassen selbst effizienter machen?
Um Himmels willen, bloß nicht an die heiligen Versorgungsposten!
Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass unser Krankenkassensystem weniger nach Versorgung organisiert ist als nach dem Grundsatz:
„Für jede Lebenslage eine eigene Verwaltungsetage.“
Brauchen wir wirklich gefühlt 873 Krankenkassen?
Hand aufs Herz: Muss Deutschland wirklich ein halbes Telefonbuch an Krankenkassen haben?
Natürlich leicht übertrieben – aber die Grundfrage ist berechtigt.
Aus Sicht vieler Bürger würden fünf starke Krankenkassen in Deutschland vermutlich völlig reichen:
- weniger Doppelstrukturen
- weniger Verwaltungsapparate
- weniger Marketing-Spielchen
- weniger Vorstandsposten mit feinem Dienstwagenblick
- mehr Geld für echte Leistungen
Denn derzeit wirkt das System oft so, als gäbe es für jede Postleitzahl, jede Broschüre und jeden Kugelschreiber eine eigene Verwaltungseinheit mit „Leitung Strategische Versorgungskommunikation Plus“.
Und dann wundert man sich, dass die Kosten steigen.
Sparen ja – aber bitte nicht immer bei den Falschen
Wenn wirklich gespart werden muss, dann sollte die Reihenfolge eigentlich glasklar sein:
- Verwaltung verschlanken
- Kassenlandschaft prüfen und zusammenlegen
- Doppelstrukturen abbauen
- Vorstände und interne Kosten transparent machen
- Erst dann über Belastungen für Familien reden
Aber nein – in Deutschland geht die politische Kreativität oft genau andersherum.
Erst wird geprüft, wie man den Bürgern tiefer in die Tasche greift.
Und irgendwann, ganz am Ende, fragt vielleicht jemand ganz schüchtern:
„Sollten wir vielleicht auch mal bei uns selbst sparen?“
Darüber muss endlich ernsthaft diskutiert werden
So lustig man das formulieren kann: Der Kern ist ernst.
Die kostenfreie Familienmitversicherung ist kein Luxus, sondern ein sozialer Grundpfeiler. Wer daran rüttelt, rüttelt direkt an Familien, Alleinverdienern, Eltern mit Kindern und am Vertrauen in den Sozialstaat.
Wenn Reformen nötig sind, dann bitte zuerst dort, wo seit Jahren offensichtlich Geld versickert:
- bei überbordender Verwaltung
- bei ineffizienten Strukturen
- bei zu vielen Krankenkassen
- bei fragwürdigen Versorgungsposten und Funktionärsebenen
Die eigentliche politische Forderung müsste lauten:
Nicht Familien belasten – sondern endlich die Krankenkassenstrukturen auf den Prüfstand stellen.
Denn wer immer nur bei den Versicherten kassiert, aber nie bei den Systemkosten aufräumt, betreibt keine Reformpolitik.
Der betreibt nur teure Bequemlichkeit.
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