Der tödliche Schuss eines US-Grenzpolizisten auf den 37-jährigen Krankenpfleger Alex Pretti hat in den Vereinigten Staaten eine Welle der Bestürzung ausgelöst. Pretti, ein US-Staatsbürger und Intensivpfleger am VA-Krankenhaus in Minneapolis, wurde am 24. Januar während eines Einsatzes der Bundesbehörden von einem Beamten der U.S. Border Patrol erschossen.
Nach offiziellen Angaben soll Pretti bewaffnet gewesen sein und eine Waffe mitgeführt haben, mit der er angeblich „Vollzugsbeamte töten“ wollte. Augenzeugenberichte und Videoaufnahmen vor Ort zeichnen jedoch ein anderes Bild: Pretti sei unbewaffnet auf die Beamten zugegangen – ohne erkennbare Bedrohungshandlung.
Empörung und Gedenken
In Minneapolis und darüber hinaus reagierten Menschen mit Vigils, Protesten und Spendenaktionen. Auf der Plattform GoFundMe wurden bereits über 500.000 US-Dollar für die Hinterbliebenen gesammelt. Der Organisator der Kampagne, Keith Edwards, sprach von „einer Welle der Solidarität“ und nannte die Unterstützer „ein Beispiel dafür, was Amerika im besten Fall sein kann“.
In einer Stellungnahme beschrieb die Familie Pretti ihn als „guten Menschen“ und „hingebungsvollen Pfleger“, der sich besonders für amerikanische Veteranen einsetzte. Pretti arbeitete seit Jahren auf der Intensivstation des VA-Krankenhauses und galt als respektierter Kollege.
Zweifel an offizieller Version
Juristische Dokumente und eidesstattliche Aussagen deuten darauf hin, dass Pretti möglicherweise zu Unrecht als Bedrohung eingestuft wurde. Die Diskussion um die zunehmende Gewalt durch Bundesbehörden – insbesondere in Zusammenhang mit Einwanderungseinsätzen – erhält dadurch neue Brisanz.
Der Fall reiht sich ein in eine Serie umstrittener Vorfälle, bei denen Menschen durch Beamte von ICE oder der Grenzpolizei ums Leben kamen – darunter zuletzt auch Renee Nicole Good und Silverio Villegas-Gonzalez. Die Vorfälle haben Proteste ausgelöst, vor allem in Städten wie Los Angeles, Portland, Chicago und nun auch Minneapolis.
Trumps neue Abschiebepolitik – mit Gewalt?
Seit Anfang Januar sind auf Anordnung von Präsident Trump verstärkt Bundesbeamte nach Minnesota entsandt worden, um die Einwanderungs- und Abschiebepolitik der Regierung zu verschärfen. Menschenrechtsorganisationen und demokratische Politiker sprechen von einem „Klima der Einschüchterung“ und einem „Einsatz militärischer Mittel im Inland“.
Der tragische Tod von Alex Pretti hat die politische Diskussion weiter angeheizt: Wie weit darf staatliche Gewalt gehen? Und wo ist die Grenze zwischen Gefahrenabwehr und Überreaktion?
Was bleibt: Eine Familie, viele Fragen – und ein Land im Streit
Während sich die Behörden bislang zurückhaltend äußern, fordern Angehörige, Anwälte und Aktivisten eine unabhängige Untersuchung. Auch die Rolle von Videos und Zeugenaussagen wird dabei zentral sein.
Alex Pretti hinterlässt Familie, Freunde – und ein Land, das sich einmal mehr fragen muss, wie es mit Macht und Menschlichkeit umgeht.
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