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Färöer-Inseln kippen eines der strengsten Abtreibungsgesetze Europas

jeffjacobs1990 (CC0), Pixabay
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Auf den Färöer-Inseln ist nach jahrzehntelanger gesellschaftlicher und politischer Debatte ein historischer Wandel eingetreten: Das Parlament des autonomen dänischen Territoriums hat am Donnerstag entschieden, Schwangerschaftsabbrüche künftig bis zur 12. Woche legal zu ermöglichen. Mit 17 zu 16 Stimmen fiel die Entscheidung denkbar knapp – und beendet eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze Europas.

Jahrzehntealte Regelung fällt

Die bisherige Gesetzgebung stammte aus dem Jahr 1956 und erlaubte Abtreibungen nur in Ausnahmefällen, etwa bei:

  • Vergewaltigung oder Inzest

  • Gefahr für die Gesundheit der Schwangeren

  • schweren fetalen Fehlbildungen

  • der Annahme, dass die Frau „unfähig“ sei, ein Kind zu versorgen

Ob eine Frau „unfit“ sei, entschieden Ärztinnen und Ärzte in einem zweistufigen Verfahren. Wurde gegen die Regeln verstoßen, drohten sowohl Ärztinnen als auch Schwangeren strafrechtliche Konsequenzen.

„Ein historischer Tag“ – Befürworter feiern den Durchbruch

Die Reform wurde von vier Abgeordneten eingebracht, darunter Ingilín Didriksen Strømm, die das Ergebnis als „historisch“ bezeichnete. Gegenüber der BBC erklärte sie:

„Dieser Wandel bestätigt endlich die Selbstbestimmung der Frauen über ihren eigenen Körper.“

Mit der Gesetzesänderung erhalten Frauen erstmals legalen Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch auf den Inseln – ohne Angst vor Stigmatisierung oder strafrechtlichen Folgen.

Schwierige Realität: Abtreibungen oft nur im Ausland möglich

Aufgrund der strengen Regeln mussten Frauen bislang häufig nach Dänemark reisen, um einen legalen Abbruch vornehmen zu lassen. Das bedeutete:

  • hohe Kosten

  • organisatorische Hürden

  • gesellschaftliche Tabuisierung

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International begrüßten die Entscheidung daher ausdrücklich als „großen Schritt für die Menschenrechte und die körperliche Selbstbestimmung“.

Gegner sprechen von „Angriff auf den Schutz des Ungeborenen“

Die Gesellschaft der Färöer gilt als eher konservativ, über 75 Prozent der Bewohner gehören der lutherischen Kirche an. Entsprechend heftig war die Gegenwehr.

Der Abgeordnete Erhard Joensen, der gegen das Gesetz stimmte, sagte dem dänischen Rundfunk:

„Ich glaube nicht, dass es in der Bevölkerung viel Unterstützung dafür gibt. Manche werden versuchen, diese Entscheidung wieder rückgängig zu machen.“

In der Vergangenheit scheiterten ähnliche Vorstöße mehrfach, zuletzt 2024 an einer Patt-Situation im Parlament.

Einordnung im europäischen Vergleich

Mit dem neuen Gesetz schließen die Färöer zu den 43 europäischen Staaten auf, die Abtreibungen auf Wunsch in der Frühphase erlauben. Sehr restriktiv bleiben dagegen weiterhin:

  • Polen

  • Malta

  • Andorra

  • Monaco

  • Liechtenstein

Dänemark selbst hatte sein Abtreibungsrecht erst im Juni ausgeweitet – von 12 auf 18 Wochen.

Ab 1. Juli nächsten Jahres soll das neue Gesetz gelten

Die Reform tritt voraussichtlich zum 1. Juli in Kraft und beendet damit eine Ära, in der Abtreibungen weitgehend tabuisiert und kriminalisiert waren.

Für viele Frauen und Aktivistinnen ist es ein längst überfälliger Befreiungsschlag – für konservative Kräfte dagegen ein Bruch mit tradierten Werten. Klar ist: Das Bild der kleinen, isolierten Inselgesellschaft zwischen Norwegen und Schottland wird sich weiter verändern.

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