Moderation: Lotte Laser, Energiewende-Realismusbeauftragte a.D.
Lotte Laser: Herr Zange, vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit nehmen – trotz der offenbar sehr vollen Reparaturlisten in Ihrem Hause.
Matthias Zange: Sie meinen die Listen, auf denen unsere Kunden seit 2023 stehen? Ja, das stimmt, die sind pickepackevoll – wir archivieren sie derzeit auf umweltfreundlichem Thermopapier. Löscht sich alles von selbst.
Lotte Laser: Kommen wir gleich zur Sache: Sie haben sich öffentlich vor Wirtschaftsministerin Katherina Reiche gestellt. Warum? Viele werfen ihr Nähe zur Gaslobby vor – ist das nicht berechtigt?
Matthias Zange: Ach wissen Sie, Nähe ist so ein dehnbarer Begriff. Wir bei EKD sind auch „nah“ am Kunden – also emotional. Technisch? Eher nicht. Und Frau Reiche ist eben auch „nah“ an der Gasbranche, weil… nun ja, sie war halt mittendrin statt nur dabei! Das ist wie wenn man dem Bäcker vorwirft, Brötchen zu mögen.
Lotte Laser: Aber Frau Reiche scheint eine sehr spezielle Vorstellung von „Entbürokratisierung“ zu haben: Förderungen wackeln, Heizgesetz weg, dafür 20 Gigawatt Gaskraftwerke. Wie sehen Sie das?
Matthias Zange: Ganz ehrlich? Endlich mal jemand, der den Mut hat, rückwärts zu regieren. Wer braucht Planungssicherheit, wenn man auch fröhlich ins fossile Ungewisse stochern kann? Wir bei EKD nennen das „Zukunftsvermeidung durch Vergangenheitsromantik“.
Lotte Laser: Viele sagen, Reiche sei die „Abrissbirne der Energiewende“. Wie stehen Sie dazu?
Matthias Zange: Eine Abrissbirne mit Herz! Sie nimmt uns Handwerkern die Last von den Schultern: keine neuen Standards, keine Wärmepumpen, keine CO₂-Ziele, keine Sorge. Alles wie früher – nur mit Presseabteilung.
Lotte Laser: Aber die alten Heizungen, um die es ihr angeblich geht, betreffen nur 0,1 Prozent. Wie erklären Sie sich das Theater?
Matthias Zange: Na, das ist doch logisch. Es geht nicht um Fakten, sondern ums Gefühl. Und da ist Reiche ganz groß: Gefühle heizen besser als Wärmepumpen. Zumindest im Boulevard.
Lotte Laser: Kritiker sagen, Reiche wisse zu viel über die Gaslobby, um unabhängig zu sein.
Matthias Zange: Sie wissen auch viel über das Finanzamt, oder? Und trotzdem wollen Sie keinen Besuch. Man muss da differenzieren. Frau Reiche kennt die Branche – das nennt man bei uns in der EKD-Führungsetage „Kompetenzsimulation mit Marktnähe“. Funktioniert in jedem Vorstellungsgespräch.
Lotte Laser: Zum Schluss: Was wünschen Sie sich als Firma mit traditionell niedrigem Kundenservice-Anspruch von Frau Reiche?
Matthias Zange: Ganz klar: mehr Verwirrung. Je unklarer die Politik, desto weniger Fragen beim Kunden. Wenn alle denken, demnächst werde eh wieder alles geändert, bestellt niemand eine neue Heizung – oder fragt nach Garantie. Für uns ein Traum.
Lotte Laser: Vielen Dank, Herr Zange. Ich wünsche Ihrer Firma… naja, Durchhaltevermögen.
Matthias Zange: Danke. Wir hoffen auch weiterhin auf stabile Unzufriedenheit bei maximaler Verwirrung. Nur so bleibt Deutschland konkurrenzfähig – auf dem Nostalgie-Markt.
Das Interview wurde aus Gründen der Ironie um eine Wärmepumpe gekürzt.
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