Ein besonders brisanter Fall erschüttert derzeit den US-Bundesstaat Arkansas: Grant Hardin, ein ehemaliger Polizeichef, der wegen Mordes und Vergewaltigung verurteilt wurde, ist aus dem Gefängnis North Central Unit in Calico Rock geflohen. Laut Angaben der Justizbehörden entkam der 56-Jährige am Sonntagnachmittag gegen 15:40 Uhr (Ortszeit) – verkleidet in einer improvisierten Uniform, die an ein Polizei-Outfit erinnert.
Hardin war seit 2017 inhaftiert, nachdem er sich im selben Jahr schuldig bekannt hatte, James Appleton, einen städtischen Angestellten, vorsätzlich erschossen zu haben. Das Opfer war während eines Gesprächs mit dem damaligen Bürgermeister von Gateway – zugleich Hardins Schwager – getötet worden. Später fand man Appletons Leiche in seinem Auto.
Doch damit nicht genug: Während seiner Haftzeit kam durch DNA-Spuren ein weiteres schweres Verbrechen ans Licht. Hardin wurde auch für die Vergewaltigung einer Lehrerin im Jahr 1997 in Rogers, Arkansas, verurteilt. Die Tat geschah auf dem Gelände einer Grundschule, wo die Frau auf dem Weg zur Toilette von einem bewaffneten Mann überfallen wurde. Hardin erhielt dafür weitere 50 Jahre Haft.
Fahndung läuft auf Hochtouren
Nach seiner Flucht am Sonntag löste das Justizministerium von Arkansas sofort Alarm aus. Hardin trug zu diesem Zeitpunkt keine Häftlingskleidung mehr, sondern ein selbstgebasteltes „Dienstoutfit“, mit dem er offenbar Wachen täuschen konnte. Er gilt als extrem gefährlich.
„Eine Vielzahl von Behörden ist an der Suche beteiligt“, sagte ein Sprecher der Strafvollzugsbehörde gegenüber der BBC. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, bei Sichtung keine Eigeninitiative zu ergreifen, sondern sofort die Polizei zu verständigen.
Justizskandal droht
Der Vorfall könnte zu einem politischen und sicherheitstechnischen Skandal werden: Wie konnte ein mehrfach verurteilter Schwerverbrecher, der früher selbst Polizeichef war, so einfach aus einer staatlichen Strafvollzugseinrichtung entkommen? Derzeit laufen interne Ermittlungen zu möglichen Sicherheitslücken oder Mitwisserschaft innerhalb der Justizvollzugsanstalt.
Die Flucht kommt nur wenige Wochen nach einem anderen spektakulären Ausbruch: In New Orleans hatten zehn Häftlinge einen Gefängnistrakt verlassen, indem sie die Wand hinter einer Toilette durchbrachen.
Die Behörden in Arkansas arbeiten unter Hochdruck an Hardins Ergreifung – bislang jedoch ohne Erfolg. Seine Geschichte dürfte damit als eine der brisantesten Gefängnisausbrüche der letzten Jahre in die US-Kriminalgeschichte eingehen.
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