Die jüngsten Drohungen von Donald Trump markieren eine neue Eskalationsstufe in den transatlantischen Beziehungen. Zölle gegen enge Verbündete anzukündigen, um politischen Druck in einer Souveränitätsfrage auszuüben, ist kein gewöhnliches Machtspiel – es ist ein Präzedenzfall. Wenn Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nun erklärt, Europa lasse sich nicht erpressen, zieht sie damit eine notwendige rote Linie.
Trumps Argumentation, Grönland sei „kritisch für die Sicherheit der USA“, ist nicht neu. Neu ist jedoch die Konsequenz, mit der wirtschaftliche Zwangsmittel offen als Hebel eingesetzt werden. Dass dabei selbst militärische Optionen nicht klar ausgeschlossen werden, untergräbt Grundprinzipien der internationalen Ordnung, auf denen gerade das westliche Bündnis nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde.
Die gemeinsame Erklärung mehrerer europäischer Staaten ist deshalb mehr als diplomatische Routine. Sie ist ein Signal der Geschlossenheit – und ein Hinweis darauf, dass Europa aus früheren Abhängigkeiten gelernt hat. Handelspolitischer Druck unter Verbündeten gefährdet nicht nur bilaterale Beziehungen, sondern auch die Glaubwürdigkeit des gesamten Bündnisses. Besonders brisant ist dies vor dem Hintergrund der gemeinsamen Sicherheitsverantwortung innerhalb der NATO.
Grönland selbst gerät in dieser Debatte allzu leicht zum Objekt geopolitischer Interessen. Dabei sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Die Bevölkerung der Insel lehnt einen Beitritt zu den USA mehrheitlich ab. Wer Sicherheit mit Selbstbestimmung begründet, muss diesen Widerspruch erklären – oder anerkennen.
Auch die britische und französische Reaktion zeigt, dass die Geduld begrenzt ist. Aussagen von Sir Keir Starmer und Überlegungen von Emmanuel Macron, EU-Gegeninstrumente zu aktivieren, deuten an, dass Europa bereit ist, wirtschaftspolitisch zurückzuschlagen, falls nötig. Das wäre eine Entwicklung, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
Die Proteste in Kopenhagen und Nuuk verdeutlichen zudem, dass es längst nicht mehr nur um Diplomatie auf Regierungsebene geht. Trumps Rhetorik trifft auf eine europäische Öffentlichkeit, die sensibel auf Fragen von Souveränität und Machtmissbrauch reagiert – und zunehmend bereit ist, Widerstand zu artikulieren.
Am Ende steht eine grundsätzliche Frage: Will der Westen Sicherheit durch Kooperation oder durch Druck sichern? Europas Antwort fällt derzeit klar aus. Ob Washington bereit ist, diese Botschaft zu hören, wird entscheidend dafür sein, ob der Konflikt eingehegt oder weiter verschärft wird.
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