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Europas Gratwanderung im „Abrissbirnen“-Zeitalter Trumps

MIH83 (CC0), Pixabay
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Wenn die Münchner Sicherheitskonferenz an diesem Wochenende tagt, geschieht dies im Schatten einer US-Politik, die viele Europäer als disruptive Kraft erleben. Die Veranstalter sprechen selbst von einer „Abrissbirnen“-Ära unter Präsident Donald Trump – einer Phase, in der vertraute internationale Normen und Gewissheiten ins Wanken geraten.

Die Grundpfeiler der transatlantischen Sicherheitsordnung, die seit dem Zweiten Weltkrieg Bestand hatten, wirken brüchiger. Zwar sind die praktischen Veränderungen bislang begrenzt: Ein vollständiger Abzug US-amerikanischer Truppen aus Europa ist ebenso wenig erfolgt wie ein Stopp der Geheimdiensthilfe für die Ukraine. Doch Washington fordert mehr europäische Verteidigungsausgaben und vermeidet es zunehmend, Russland klar als Bedrohung zu benennen.

Europas größere Staaten haben sich inzwischen grundsätzlich auf das Ziel verständigt, ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 auf fünf Prozent des BIP zu erhöhen – ein Schritt, den viele ohnehin für überfällig halten. Angesichts eines wirtschaftlich starken Kontinents mit rund 450 Millionen Einwohnern stellt sich die Frage, warum Europas Sicherheit dauerhaft von den USA abhängen sollte.

Gleichzeitig bleibt Washington ein unverzichtbarer, wenn auch unberechenbarer Partner. Europas Strategie ähnelt zunehmend einem Balanceakt: rote Linien wahren, ohne den Zorn des US-Präsidenten zu provozieren, und zugleich Dankbarkeit für amerikanische Unterstützung demonstrieren. Es ist ein Modus des Überlebens, kein Modell für Gestaltungskraft.

Hinzu kommt der innenpolitische Druck. Rechtspopulistische Kräfte wie der Rassemblement National in Frankreich, Reform UK oder die AfD in Deutschland setzen etablierte Regierungen unter Zugzwang. Dennoch zeigen selbst rechtsgerichtete Regierungen in Europa Grenzen gegenüber radikalen US-Positionen – etwa während der diplomatischen Spannungen um Grönland, als europäische Staaten demonstrativ Geschlossenheit zeigten.

Die Lehre aus solchen Krisen ist zweifach: Trump testet häufig die Reichweite seiner Vorstöße, ohne dass ihnen stets eine ausgearbeitete Strategie zugrunde liegt. Zugleich reagiert er empfindlich auf geschlossenen Widerstand von Verbündeten. Diplomatisches Geschick kann Eskalationen abfedern.

Mit Blick auf die US-Zwischenwahlen in neun Monaten hoffen viele europäische Diplomaten auf eine Phase größerer Berechenbarkeit. Trumps Amtszeit ist begrenzt – auch wenn jede Woche seiner Außenpolitik wie eine kleine Ära wirkt.

Europa steht damit vor einer Weggabelung. Es muss mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen, ohne die transatlantische Partnerschaft irreparabel zu beschädigen. Die Münchner Sicherheitskonferenz bietet dafür den symbolträchtigen Rahmen: ein Ort, um Stabilität, Verlässlichkeit und politische Nüchternheit gegen die Staubwolken einer zunehmend erratischen Weltpolitik zu verteidigen.

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