Die Europäische Kommission geht entschlossen gegen Finanzbetrug im Internet vor und richtet ihren Blick nun direkt auf die größten US-Tech-Unternehmen. Apple, Google, Microsoft und Booking.com erhielten eine förmliche Aufforderung aus Brüssel: Sie müssen darlegen, wie sie Verbraucher auf ihren Plattformen konkret vor betrügerischen Aktivitäten schützen.
Ein Sprecher der Kommission betonte, dass es um nichts Geringeres als das Vertrauen in den digitalen Binnenmarkt geht. „Die Nutzer müssen sicher sein können, dass sie beim Surfen, Einkaufen oder Buchen im Netz nicht Opfer von Betrug werden“, hieß es. Die Aufforderung reiht sich ein in eine ganze Serie von Maßnahmen, mit denen die EU den digitalen Raum strenger regulieren will.
Warum die Tech-Giganten im Fokus stehen
Plattformen wie Google oder Apple-App-Stores sind zentrale Zugangspunkte für Millionen von Verbrauchern in Europa. Hier werden Apps, Dienste und Angebote vermittelt – und genau dort nutzen Kriminelle Sicherheitslücken, um mit Fake-Anzeigen, betrügerischen Zahlungsaufforderungen oder Phishing-Attacken Verbraucher in die Falle zu locken.
Auch Microsoft mit seinem weit verbreiteten E-Mail-Dienst Outlook sowie die Reiseplattform Booking.com spielen eine zentrale Rolle: Gerade im Reise- und Buchungssektor häufen sich betrügerische Angebote, die unter real wirkenden Hotel- oder Flugbuchungen versteckt sind.
Parallele Untersuchungen gegen chinesische Anbieter
Die EU beschränkt sich nicht auf US-Konzerne. Bereits laufen Ermittlungen gegen die chinesischen Anbieter AliExpress und Temu. Beide Plattformen stehen im Verdacht, den Verkauf unseriöser Produkte und betrügerische Geschäftspraktiken zu dulden oder nicht ausreichend zu unterbinden. Damit signalisiert Brüssel, dass weder Herkunft noch Größe ein Schutzschild gegen schärfere Kontrollen sind.
Konsequenzen für die Unternehmen – und die Nutzer
Die angefragten Informationen könnten die Grundlage für weitere Schritte bilden. Sollten Apple, Google, Microsoft und Booking.com keine zufriedenstellenden Antworten liefern, drohen ihnen strengere Auflagen im Rahmen bestehender EU-Regelwerke wie dem Digital Services Act (DSA) oder dem Digital Markets Act (DMA). Diese Gesetze verpflichten Plattformen bereits heute, systematisch gegen illegale Inhalte und Betrug vorzugehen.
Für Verbraucher könnte das Vorgehen der EU langfristig mehr Sicherheit bringen – etwa durch stärkere Identitätsprüfungen bei Händlern, klarere Warnhinweise bei verdächtigen Angeboten oder schnellere Löschungen von Fake-Inhalten.
Ein Signal weit über Europa hinaus
Die Initiative der Kommission ist auch ein politisches Signal. Europa zeigt, dass es nicht davor zurückschreckt, selbst die größten internationalen Konzerne in die Pflicht zu nehmen. Angesichts der Milliardenumsätze im Online-Handel wird die Frage, wie viel Verantwortung Plattformen für die Sicherheit ihrer Nutzer übernehmen, zu einem zentralen Konfliktpunkt zwischen Regulierung und Unternehmensinteressen.
Mit dem aktuellen Schritt verdeutlicht die EU: Untätigkeit beim Schutz vor Betrug ist keine Option mehr – weder für chinesische Plattformen noch für die Tech-Giganten aus den USA.
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