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EU fordert von Italien Klarstellung zur Megabrücke nach Sizilien

Miller_Eszter (CC0), Pixabay
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Die Pläne für die umstrittene Brücke, die Sizilien mit dem italienischen Festland verbinden soll, geraten erneut in die Kritik. Die EU-Kommission hat Italien ein Schreiben übermittelt, in dem sie um Klarstellungen zum Projekt bittet – insbesondere zu den Verfahren rund um Umweltauflagen.

Nachfrage aus Brüssel

Das Schreiben ging an das italienische Umwelt- und Energieministerium. Laut dem Sprecher der italienischen Grünen, Angelo Bonelli, bezieht es sich auf mögliche Defizite bei der Umsetzung von EU-Umweltrichtlinien. Bonelli gehört zu den entschiedensten Gegnern des Projekts und sieht in der geplanten 33 Kilometer langen Brücke ein massives Risiko für Natur und Anwohner.

Das italienische Infrastrukturministerium betonte hingegen, die EU-Kommission erkenne die strategische Bedeutung der Brücke an. Man werde Brüssel alle verlangten Antworten zukommen lassen. Auch Pietro Ciucci, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Stretto di Messina, wiegelte ab: Das Schreiben sei Teil des normalen Dialogs zwischen der EU und dem Mitgliedstaat.

Umweltverträglichkeit im Fokus

In dem Schreiben bittet die EU um detailliertere Informationen zur Umweltverträglichkeit. Kritiker weisen seit langem auf die besonderen Risiken der Region hin: empfindliche Ökosysteme in der Meerenge, hohe Biodiversität und das seismische Risiko in einer der erdbebengefährdetsten Zonen Italiens.

Bereits im August hatten mehrere Umweltschutzverbände Beschwerde bei der EU eingelegt. Sie warnen, dass die Brücke irreversible Schäden anrichten könnte. Zudem verweisen Bürgerinitiativen auf drohende jahrelange Lärm- und Schmutzbelastung, die das Gebiet für Anwohner zeitweise unbewohnbar machen könnte.

Soziale und finanzielle Fragen

Neben ökologischen Aspekten rückt auch die soziale Dimension in den Vordergrund. Aktivisten und Anwälte gehen davon aus, dass rund 1.000 Menschen ihre Häuser verlieren würden, sollte das Bauprojekt umgesetzt werden.

Hinzu kommen Fragen zur Finanzierung: Die Baukosten stiegen seit der ursprünglichen Vergabe von 8,5 auf inzwischen 13,5 Milliarden Euro. Kritiker halten diese Erhöhungen für möglicherweise rechtswidrig und sehen einen Verstoß gegen EU-Vergaberecht.

Symbolprojekt mit Widerstand

Für die italienische Regierung gilt die Brücke als Jahrhundertprojekt: Sie soll die wirtschaftliche Entwicklung im Süden ankurbeln und Sizilien enger an das Festland anbinden. Gegner sprechen hingegen von einem „Milliardengrab“ mit untragbaren ökologischen und sozialen Folgen.

Die EU will nun klären, ob das Projekt den europäischen Umwelt- und Vergaberichtlinien entspricht. Damit bleibt die Zukunft der Brücke weiter ungewiss – zwischen politischen Ambitionen, ökonomischen Interessen und wachsendem Widerstand aus der Zivilgesellschaft.

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